Vorsatzlinse für sphärische Objektive zur Erzeugung des Cinemascope-Looks — günstige Alternative zu echten Anamorphoten.
Technische Details
Moderne Anamorphot-Adapter arbeiten mit einem Zwei-Linsen-System aus zylindrischen Glaslinsen, die ausschließlich die horizontale Bildachse beeinflussen. Standardadapter komprimieren das Bild um den Faktor 1,33x, während 2x-Adapter eine stärkere Kompression von 2:1 erzeugen. Die Adapter werden in T-Stops von T/1.3 bis T/5.6 gefertigt und erfordern eine Mindestfokussierung zwischen 0,9m und 1,2m. Das Zusatzgewicht beträgt je nach Hersteller zwischen 1,2kg und 2,8kg. Die optische Konstruktion führt zu charakteristischen horizontalen Lens Flares, erhöhter chromatischer Aberration und einer Schärfentiefe-Asymmetrie zwischen horizontaler und vertikaler Ebene.
Geschichte & Entwicklung
Henri Chrétien entwickelte das Hypergonar-Linsensystem 1926 ursprünglich für militärische Zwecke zur Panorama-Überwachung. 20th Century Fox erwarb 1952 die Rechte und führte das System als CinemaScope mit dem Film "The Robe" (1953) ein. Panavision perfektionierte die Technologie ab 1957 mit der Ultra Panavision-Serie und dominierte jahrzehntelang den Markt. Seit 2010 erlebt die anamorphe Optik durch Hersteller wie Atlas Lens Co., Cooke und ARRI eine Renaissance, da sie kostengünstiger als native anamorphe Objektive ist und digitale Sensoren optimal ausnutzt.
Praxiseinsatz im Film
Christopher Nolan verwendete Panavision-Anamorphot-Adapter für "Dunkirk" (2017), um das Breitbildformat bei gleichzeitiger Flexibilität verschiedener Brennweiten zu erreichen. Denis Villeneuve setzte bei "Blade Runner 2049" (2017) ARRI Master Anamorphic-Adapter ein, um die charakteristischen horizontalen Streaks bei Nachtszenen zu verstärken. Der Workflow erfordert präzise Kalibrierung der Fokus-Systeme, da die asymmetrische Schärfentiefe manuelle Nachführung kompliziert. Adapter bieten gegenüber nativen anamorphen Objektiven 60-70% Kosteneinsparung bei 85% der optischen Qualität.
Vergleich & Alternativen
Anamorphot-Adapter unterscheiden sich von nativen anamorphen Objektiven durch geringere optische Präzision, aber höhere Flexibilität beim Objektivwechsel. Moderne Alternativen umfassen digitales Cropping mit anschließender Skalierung oder spezialisierte Sensoren wie der ARRI ALEXA 65 mit 6K-Auflösung. Adapter eignen sich für Produktionen mit begrenztem Budget oder häufigen Brennweitenwechseln, während native anamorphe Optiken bei High-End-Produktionen mit kontrollierten Lichtbedingungen überlegen bleiben.