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Academy-Sound-Verhältnis / 1.37:1
Kamera · Technik

Academy-Sound-Verhältnis / 1.37:1

Academy Sound Ratio / 1.37:1
Murnau AI illustration
1331 1661 1781 cinemascope

Bildformat 1.37:1, entwickelt 1930er für 35mm-Tonfilm mit optischer Tonspur. Leicht breiter als 1.33:1, berücksichtigt den Platzbedarf der Tontracks.

In Filmgeschichte

Berühmte Beispiele · Academy-Sound-Verhältnis / 1.37:1

Beispiele aus unterschiedlichen Epochen, die den Begriff von gestalterischer Setzung bis subversiver Verweigerung zeigen.
01 / DAS FORMAT DER KLASSISCHEN ÄRA

The Apartment

Billy Wilder · 1960 · Joseph LaShelle

Billy Wilders Komödie wurde noch im auslaufenden Academy-Format gedreht und zeigt, wie 1.37:1 die intime, auf Charaktere fokussierte Bildkomposition des klassischen Hollywoods ermöglichte. LaShelles Kadrierungen nutzen das nahezu quadratische Verhältnis für präzise, theatralisch wirkende Einstellungen.

The Apartment · sample frame
02 / NOSTALGISCHE RÜCKKEHR ZUM KLASSISCHEN FORMAT

The Artist

Michel Hazanavicius · 2011 · Guillaume Schiffman

Michel Hazanavicius drehte diesen Stummfilm-Hommage bewusst im 1.37:1-Format, um die Ästhetik der frühen Tonfilm-Ära authentisch zu rekonstruieren. Das Format ist hier kein technisches Relikt, sondern ein dramaturgisches Instrument zur Zeitreise.

The Artist · sample frame
03 / 1.37:1 ALS BEWUSSTES STILMITTEL

The Grand Budapest Hotel

Wes Anderson · 2014 · Robert D. Yeoman

Wes Anderson nutzte für die in den 1930er Jahren angesiedelten Sequenzen des Films explizit das 1.37:1-Format, um die Epoche visuell zu codieren. Der Wechsel zwischen verschiedenen Seitenverhältnissen je nach Zeitebene macht das Academy-Format zum narrativen Signifikanten.

The Grand Budapest Hotel · sample frame
04 / ZEITGENÖSSISCHE INTIMITÄT IM HISTORISCHEN FORMAT

First Cow

Kelly Reichardt · 2019 · Christopher Blauvelt

Kelly Reichardt wählte das 1.37:1-Format für dieses stille Frontier-Drama, um eine Nähe zu den Figuren und zur Landschaft zu erzeugen, die breitere Formate nicht bieten. Blauvelt nutzt das nahezu quadratische Bild für eine meditative, auf das Wesentliche reduzierte Komposition.

First Cow · sample frame

Filmstills bezogen über die TMDB API. Dieses Produkt nutzt die TMDB API, ist aber nicht von TMDB unterstützt oder zertifiziert. themoviedb.org ›

Geschichte

Das 1.37:1-Bildformat wurde in den frühen 1930ern als Reaktion auf die Einführung des Tonfilms definiert. Anders als das reine 1.33:1-Format musste bei Tonfilm ein optischer Tonspur auf dem physischen Filmstreifen Platz haben.

Entwicklungsschritte:

  • 1929-1931: Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm (Great Transition)
  • 1930: Academy Standards werden konkretisiert
  • 1932: Offizielle Verabschiedung der Academy Sound Ratio (1.37:1) als neuer Standard
  • 1932-1950er: Weit verbreitete Verwendung für alle Tonfilme auf 35mm
  • 1950er: Widescreen-Bewegung ermöglicht Abkehr von diesem Format
  • 1960er: Nur noch gelegentliche Nutzung

Warum dieser Wert?

  • 35mm-Filmstreifen: 21 Perforationen pro Fuß (für Ton und Bild)
  • Tonspur benötigte spezifischen vertikalen Platz
  • Der Bildbereich wurde mit Blick auf Tonqualität optimiert
  • 1.37:1 war der mathematische Kompromiss zwischen Bildbreite und Tonraum

Technische Details

Bildformat-Spezifikationen:

  • Seitenverhältnis: 1.37:1 (exakt: 1.3703:1)
  • Filmstandard: 35mm Filmstreifen
  • Bildbereich: 18 × 13.1mm (auf 35mm)
  • Perforation: 21 Perforationen pro Fuß
  • Tonspur-Position: Mono, optisch, an den Kanten des Filmstreifens
  • Standardauflösung (digital): ~1452 × 1058 Pixel

35mm-Filmstreifen-Layout:

[Perforation] [Bildbereich 18×13.1mm] [Tonspur - optisch]

Tonqualität:

  • Optische Mono-Tonspur
  • Frequenzbereich: 50-8000 Hz (frühe Standards)
  • Signal-Rausch-Verhältnis: ~40dB
  • Spur-Breite: ~2-3mm je nach Standard

Verwendung Heute

Das 1.37:1-Format ist praktisch obsolet und wird nur noch in Spezialfällen verwendet:

Archival / Restaurierung:

  • Restaurierte Klassiker: Manche Filmklassiker (Chaplin, Keaton, etc.) in Original-1.37:1
  • Dokumentationen: über historische Filmproduktion
  • Archive: Original-Filme in digitaler Restoration

Selten in Neuprodiktionen:

  • Nur für absolute historische Authentizität
  • Akademische oder künstlerische Experimente
  • Nicht für kommerzielle Kino-Nutzung

Digitale Entsprechungen:

  • 1.37:1 ist mathematisch zwischen 4:3 (1.33:1) und 16:9 (1.78:1)
  • Kann durch Beschnitt von 16:9-Material erzeugt werden
  • Gelegentlich für Fernseh-Remaster alter Inhalte

Technische Unterschiede zu anderen Standards

Aspekt1.33:1 Academy1.37:1 Sound1.66:1 European1.85:1 Standard
TonspurVariabelOptisch monoKeine (oder extern)Digital oder Dolby
Bildbereich4:3-Quadrat21-Perf-StandardOptimiertWidescreen
Kinoära1932-19501930-19501960-19901970-heute
Breite relativ100%102%125%140%
Höhe relativ75%73%60%54%
TonqualitätVollKompromissVollVoll (Stereo+)

Vergleichende Analyse

1.37:1 vs. 1.33:1:

  • Nur ~4% breiter
  • Minimal mehr Seitenbild
  • Identisch für visuelle Komposition
  • Unterschied durch Tonraum-Anforderungen

1.37:1 vs. modernen Formaten:

  • Deutlich quadratischer als 1.85:1 (140% relative Breite)
  • Weniger breit als 1.66:1 (125% relative Breite)
  • Bedeutet weniger Landschafts-Raum
  • Mehr Kopfraum bei Porträts

Historische Beispiele

Große Produktionen in 1.37:1:

  • "Citizen Kane" (1941) - Orson Welles
  • "The Great Dictator" (1940) - Charlie Chaplin
  • "Singin' in the Rain" (1952) - Gene Kelly
  • "A Streetcar Named Desire" (1951) - Elia Kazan

(Hinweis: Diese Filme wurden später teilweise in verschiedenen Formaten re-mastered)

Weitere Informationen

Relevante Standards:

  • SMPTE RP 431-2: Academy Standards
  • DCI-Standard: Digitalisierte Standards
  • ISO-Standards: Filmstreifen-Spezifikationen

Verwandte Formate:

  • Academy Ratio (1.33:1) - reines Bildformat
  • European Widescreen (1.66:1) - nachfolgend
  • Cinemascope (2.35:1) - parallele Widescreen-Entwicklung
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