Bildformat 1.37:1, entwickelt 1930er für 35mm-Tonfilm mit optischer Tonspur. Leicht breiter als 1.33:1, berücksichtigt den Platzbedarf der Tontracks.
Berühmte Beispiele · Academy-Sound-Verhältnis / 1.37:1
The Apartment
Billy Wilders Komödie wurde noch im auslaufenden Academy-Format gedreht und zeigt, wie 1.37:1 die intime, auf Charaktere fokussierte Bildkomposition des klassischen Hollywoods ermöglichte. LaShelles Kadrierungen nutzen das nahezu quadratische Verhältnis für präzise, theatralisch wirkende Einstellungen.
The Artist
Michel Hazanavicius drehte diesen Stummfilm-Hommage bewusst im 1.37:1-Format, um die Ästhetik der frühen Tonfilm-Ära authentisch zu rekonstruieren. Das Format ist hier kein technisches Relikt, sondern ein dramaturgisches Instrument zur Zeitreise.
The Grand Budapest Hotel
Wes Anderson nutzte für die in den 1930er Jahren angesiedelten Sequenzen des Films explizit das 1.37:1-Format, um die Epoche visuell zu codieren. Der Wechsel zwischen verschiedenen Seitenverhältnissen je nach Zeitebene macht das Academy-Format zum narrativen Signifikanten.
First Cow
Kelly Reichardt wählte das 1.37:1-Format für dieses stille Frontier-Drama, um eine Nähe zu den Figuren und zur Landschaft zu erzeugen, die breitere Formate nicht bieten. Blauvelt nutzt das nahezu quadratische Bild für eine meditative, auf das Wesentliche reduzierte Komposition.
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Geschichte
Das 1.37:1-Bildformat wurde in den frühen 1930ern als Reaktion auf die Einführung des Tonfilms definiert. Anders als das reine 1.33:1-Format musste bei Tonfilm ein optischer Tonspur auf dem physischen Filmstreifen Platz haben.
Entwicklungsschritte:
- 1929-1931: Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm (Great Transition)
- 1930: Academy Standards werden konkretisiert
- 1932: Offizielle Verabschiedung der Academy Sound Ratio (1.37:1) als neuer Standard
- 1932-1950er: Weit verbreitete Verwendung für alle Tonfilme auf 35mm
- 1950er: Widescreen-Bewegung ermöglicht Abkehr von diesem Format
- 1960er: Nur noch gelegentliche Nutzung
Warum dieser Wert?
- 35mm-Filmstreifen: 21 Perforationen pro Fuß (für Ton und Bild)
- Tonspur benötigte spezifischen vertikalen Platz
- Der Bildbereich wurde mit Blick auf Tonqualität optimiert
- 1.37:1 war der mathematische Kompromiss zwischen Bildbreite und Tonraum
Technische Details
Bildformat-Spezifikationen:
- Seitenverhältnis: 1.37:1 (exakt: 1.3703:1)
- Filmstandard: 35mm Filmstreifen
- Bildbereich: 18 × 13.1mm (auf 35mm)
- Perforation: 21 Perforationen pro Fuß
- Tonspur-Position: Mono, optisch, an den Kanten des Filmstreifens
- Standardauflösung (digital): ~1452 × 1058 Pixel
35mm-Filmstreifen-Layout:
[Perforation] [Bildbereich 18×13.1mm] [Tonspur - optisch]Tonqualität:
- Optische Mono-Tonspur
- Frequenzbereich: 50-8000 Hz (frühe Standards)
- Signal-Rausch-Verhältnis: ~40dB
- Spur-Breite: ~2-3mm je nach Standard
Verwendung Heute
Das 1.37:1-Format ist praktisch obsolet und wird nur noch in Spezialfällen verwendet:
Archival / Restaurierung:
- Restaurierte Klassiker: Manche Filmklassiker (Chaplin, Keaton, etc.) in Original-1.37:1
- Dokumentationen: über historische Filmproduktion
- Archive: Original-Filme in digitaler Restoration
Selten in Neuprodiktionen:
- Nur für absolute historische Authentizität
- Akademische oder künstlerische Experimente
- Nicht für kommerzielle Kino-Nutzung
Digitale Entsprechungen:
- 1.37:1 ist mathematisch zwischen 4:3 (1.33:1) und 16:9 (1.78:1)
- Kann durch Beschnitt von 16:9-Material erzeugt werden
- Gelegentlich für Fernseh-Remaster alter Inhalte
Technische Unterschiede zu anderen Standards
| Aspekt | 1.33:1 Academy | 1.37:1 Sound | 1.66:1 European | 1.85:1 Standard |
|---|---|---|---|---|
| Tonspur | Variabel | Optisch mono | Keine (oder extern) | Digital oder Dolby |
| Bildbereich | 4:3-Quadrat | 21-Perf-Standard | Optimiert | Widescreen |
| Kinoära | 1932-1950 | 1930-1950 | 1960-1990 | 1970-heute |
| Breite relativ | 100% | 102% | 125% | 140% |
| Höhe relativ | 75% | 73% | 60% | 54% |
| Tonqualität | Voll | Kompromiss | Voll | Voll (Stereo+) |
Vergleichende Analyse
1.37:1 vs. 1.33:1:
- Nur ~4% breiter
- Minimal mehr Seitenbild
- Identisch für visuelle Komposition
- Unterschied durch Tonraum-Anforderungen
1.37:1 vs. modernen Formaten:
- Deutlich quadratischer als 1.85:1 (140% relative Breite)
- Weniger breit als 1.66:1 (125% relative Breite)
- Bedeutet weniger Landschafts-Raum
- Mehr Kopfraum bei Porträts
Historische Beispiele
Große Produktionen in 1.37:1:
- "Citizen Kane" (1941) - Orson Welles
- "The Great Dictator" (1940) - Charlie Chaplin
- "Singin' in the Rain" (1952) - Gene Kelly
- "A Streetcar Named Desire" (1951) - Elia Kazan
(Hinweis: Diese Filme wurden später teilweise in verschiedenen Formaten re-mastered)
Weitere Informationen
Relevante Standards:
- SMPTE RP 431-2: Academy Standards
- DCI-Standard: Digitalisierte Standards
- ISO-Standards: Filmstreifen-Spezifikationen
Verwandte Formate:
- Academy Ratio (1.33:1) - reines Bildformat
- European Widescreen (1.66:1) - nachfolgend
- Cinemascope (2.35:1) - parallele Widescreen-Entwicklung