Bildformat 1.37:1, entwickelt 1930er für 35mm-Tonfilm mit optischer Tonspur. Leicht breiter als 1.33:1, berücksichtigt den Platzbedarf der Tontracks.
Geschichte
Das 1.37:1-Bildformat wurde in den frühen 1930ern als Reaktion auf die Einführung des Tonfilms definiert. Anders als das reine 1.33:1-Format musste bei Tonfilm ein optischer Tonspur auf dem physischen Filmstreifen Platz haben.
Entwicklungsschritte:
- 1929-1931: Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm (Great Transition)
- 1930: Academy Standards werden konkretisiert
- 1932: Offizielle Verabschiedung der Academy Sound Ratio (1.37:1) als neuer Standard
- 1932-1950er: Weit verbreitete Verwendung für alle Tonfilme auf 35mm
- 1950er: Widescreen-Bewegung ermöglicht Abkehr von diesem Format
- 1960er: Nur noch gelegentliche Nutzung
Warum dieser Wert?
- 35mm-Filmstreifen: 21 Perforationen pro Fuß (für Ton und Bild)
- Tonspur benötigte spezifischen vertikalen Platz
- Der Bildbereich wurde mit Blick auf Tonqualität optimiert
- 1.37:1 war der mathematische Kompromiss zwischen Bildbreite und Tonraum
Technische Details
Bildformat-Spezifikationen:
- Seitenverhältnis: 1.37:1 (exakt: 1.3703:1)
- Filmstandard: 35mm Filmstreifen
- Bildbereich: 18 × 13.1mm (auf 35mm)
- Perforation: 21 Perforationen pro Fuß
- Tonspur-Position: Mono, optisch, an den Kanten des Filmstreifens
- Standardauflösung (digital): ~1452 × 1058 Pixel
35mm-Filmstreifen-Layout:
[Perforation] [Bildbereich 18×13.1mm] [Tonspur - optisch]Tonqualität:
- Optische Mono-Tonspur
- Frequenzbereich: 50-8000 Hz (frühe Standards)
- Signal-Rausch-Verhältnis: ~40dB
- Spur-Breite: ~2-3mm je nach Standard
Verwendung Heute
Das 1.37:1-Format ist praktisch obsolet und wird nur noch in Spezialfällen verwendet:
Archival / Restaurierung:
- Restaurierte Klassiker: Manche Filmklassiker (Chaplin, Keaton, etc.) in Original-1.37:1
- Dokumentationen: über historische Filmproduktion
- Archive: Original-Filme in digitaler Restoration
Selten in Neuprodiktionen:
- Nur für absolute historische Authentizität
- Akademische oder künstlerische Experimente
- Nicht für kommerzielle Kino-Nutzung
Digitale Entsprechungen:
- 1.37:1 ist mathematisch zwischen 4:3 (1.33:1) und 16:9 (1.78:1)
- Kann durch Beschnitt von 16:9-Material erzeugt werden
- Gelegentlich für Fernseh-Remaster alter Inhalte
Technische Unterschiede zu anderen Standards
| Aspekt | 1.33:1 Academy | 1.37:1 Sound | 1.66:1 European | 1.85:1 Standard |
|---|---|---|---|---|
| Tonspur | Variabel | Optisch mono | Keine (oder extern) | Digital oder Dolby |
| Bildbereich | 4:3-Quadrat | 21-Perf-Standard | Optimiert | Widescreen |
| Kinoära | 1932-1950 | 1930-1950 | 1960-1990 | 1970-heute |
| Breite relativ | 100% | 102% | 125% | 140% |
| Höhe relativ | 75% | 73% | 60% | 54% |
| Tonqualität | Voll | Kompromiss | Voll | Voll (Stereo+) |
Vergleichende Analyse
1.37:1 vs. 1.33:1:
- Nur ~4% breiter
- Minimal mehr Seitenbild
- Identisch für visuelle Komposition
- Unterschied durch Tonraum-Anforderungen
1.37:1 vs. modernen Formaten:
- Deutlich quadratischer als 1.85:1 (140% relative Breite)
- Weniger breit als 1.66:1 (125% relative Breite)
- Bedeutet weniger Landschafts-Raum
- Mehr Kopfraum bei Porträts
Historische Beispiele
Große Produktionen in 1.37:1:
- "Citizen Kane" (1941) - Orson Welles
- "The Great Dictator" (1940) - Charlie Chaplin
- "Singin' in the Rain" (1952) - Gene Kelly
- "A Streetcar Named Desire" (1951) - Elia Kazan
(Hinweis: Diese Filme wurden später teilweise in verschiedenen Formaten re-mastered)
Weitere Informationen
Relevante Standards:
- SMPTE RP 431-2: Academy Standards
- DCI-Standard: Digitalisierte Standards
- ISO-Standards: Filmstreifen-Spezifikationen
Verwandte Formate:
- Academy Ratio (1.33:1) - reines Bildformat
- European Widescreen (1.66:1) - nachfolgend
- Cinemascope (2.35:1) - parallele Widescreen-Entwicklung