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Reflektiertes Licht
Licht · Equipment

Reflektiertes Licht

Bounce Light
Murnau AI illustration
hard light soft light diffused light bounce negative fill ambient light available light color temperature

Weiches, diffuses Licht durch Reflexion an Wänden oder Reflektoren. Reduziert Kontraste und erzeugt natürlich wirkende Ausleuchtung.

Am Set funktioniert das so: Du stellst deine Leuchte nicht direkt auf die Schauspielerin, sondern lässt sie gegen eine große weiße Fläche scheinen — Styropor, Sperrholz mit weißem Anstrich, notfalls eine reflektierende Wand. Das Licht prallt ab und kommt diffus zurück. Das Ergebnis ist weiches, formloses Licht ohne die harten Konturen, die eine nackte HMI oder Tungsten-Leuchte wirft. Keine Augenlichter-Spitzlichter, keine scharfen Schattenkanten — besonders wertvoll, wenn du Beauty-Aufnahmen oder emotionale Nahaufnahmen drehen willst, wo dich jede Rauhheit in der Ausleuchtung stört.

Die Praxis unterscheidet zwischen aktiven und passiven Systemen. Aktiv: Deine Leuchte sitzt hinter oder neben dem Reflektor und wirft dort hinein. Passiv: Das Tageslicht oder eine andere Quelle im Raum nutzt vorhandene helle Flächen. Ein klassisches Setup — etwa bei Porträts — ist die 1-2 Meter entfernte White-Bounce-Wand. Je größer die reflektierende Fläche relativ zur Entfernung, desto weicher das Licht. Eine kleine Styroporplatte in 30 cm Abstand erzeugt schärfere Kanten als ein 2×2-Meter-Board in 2 Metern. Intensität verlierst du bei jedem Bounce — mit einer Blende, manchmal zwei. Das zwingt dich zu hellerem Ausgangslicht oder höheren ISO-Werten, wenn du in den Schatten Details brauchst.

Am Set merkst du schnell: Indirekte Beleuchtung ist nicht nur eine Technik, sondern eine Haltung. Du delegierst die Kontrolle an die Geometrie des Raums und an die reflektierende Qualität deiner Materialien. Weiße Flächen sind neutral und vorhersehbar. Beigeton oder Grau färben warm oder kühl ein. Glatte Oberflächen (Blech, lackiertes Holz) reflektieren fokussierter zurück als rauhe (Papier, Styropor). Ein gängiges Problem: Wenn dein Board zu nah an der Quelle sitzt, entstehen Unebenheiten im reflektierten Licht — eine Seite heller als die andere. Deshalb kontrolliert man regelmäßig mit dem Spotmeter nach. In der Praxis arbeiten viele DoPs mit Hybrid-Setups: Eine Key-Leuchte direkt, ein großes Bounce-Board gegenüber als Filler — das gibt dir Kontrolle über Kontrast und Modellierung, während du gleichzeitig die Sanftheit einer indirekten Quelle erhältst. Das ist besonders nützlich bei Tageslicht-Szenen, wo natürliches Licht durch ein riesiges Bounce-Segel auf Stativ diffundiert wird.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich positioniere den Bouncer immer 45° zur Kamera-Motiv-Achse, um Modelling zu erhalten – rein frontales Bounce Light macht Gesichter flach. Mit einem Spot-Meter messe ich die Differenz zwischen Key und Bounce: 2:1 Ratio ergibt natürliche Plastizität, 1:1 wird zu flach für Drama.

Regisseur

Ich nutze warmes Bounce Light für emotionale Nähe in Dialogszenen – die weiche Ausleuchtung lässt Schauspieler verletzlicher wirken. Bei Thriller-Sequenzen verzichte ich bewusst darauf, damit harte Schatten die Spannung unterstützen. Bounce Light suggeriert immer "Tageslicht" oder "häusliche Wärme".

Produzent

Bounce Light bedeutet 30% längere Einrichtungszeit pro Setup, weil Reflektoren exakt ausgerichtet werden müssen. Dafür spare ich Geld: Ein 4x8 Fuß Styropor kostet 12 Euro statt 800 Euro für eine Softbox gleicher Größe. Bei Außendrehs plane ich Wind-Dopplers ein – umfallende Reflektoren kosten Drehtage.

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