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Reflektor
Licht · Equipment

Reflektor

Bounce
Murnau AI illustration
hard light soft light diffused light bounce light negative fill ambient light available light color temperature

Indirektes Licht durch Reflexion an weißen Flächen oder Reflektoren. Erzeugt weiches, gleichmäßiges Licht ohne harte Schatten.

Du willst hartes Licht vermeiden, aber trotzdem Modellierung in die Szene bringen? Dann arbeitet man mit Bounce — du schickst deine Hauptleuchte nicht direkt auf die Figur, sondern lässt sie vorher von einer großen weißen Fläche zurückwerfen. Eine Styroporplatte, ein Reflektorpanel, notfalls eine weiß gestrichene Wand. Das Licht wird dabei diffus, verliert seine aggressiven Kanten und wirkt, als käme es von selbst aus einem großflächigen Emitter.

Im Alltag am Set: du positionierst deine 2,5kW Frenel oder HMI nicht frontal vor dem Gesicht, sondern lässt sie schräg oben in eine 2×3-Meter-Weiß-Bounce, die vielleicht zwei Meter über der Schauspieler-Position hängt. Das Licht spricht vom Board zurück und erzeugt eine weiches, gleichmäßiges Modellierungslicht — ohne die typischen Spotlight-Reflektionen in den Augen oder die harten Kinn-Schatten von direkter Bestrahlung. Die Farbtemperatur bleibt natürlich gleich, aber die Lichtkvalität wandelt sich komplett. Du brauchst für denselben Effekt auf der Figur zwar mehr Input-Power, weil du etwa 30–50% Licht an der Bounce-Fläche verlierst, aber das ist der Preis für Control und Wärme im Bild.

Klassisch wird Bounce für Beauty-Shots genutzt — Interviews, Close-ups, Szenen mit viel Nahgesicht. Aber auch in größeren Szenen ist es wertvoll: wenn du eine ganze Gruppe ausleuchten musst und trotzdem natürliche Schatten-Modellierung brauchst, fahren viele DoPs eine starke Quelle in Bounce statt hundert kleine Leuchten einzeln zu placen. Das spart Zeit, gibt Konsistenz und fühlt sich filmisch an — nicht wie ausgeleuchtet, sondern wie entdecktes Licht.

Praktisches Detail: die Bounce-Fläche muss großflächig sein. Eine kleine Hand-Bounce bringt dir nur einen Akzent-Catchlight. Für echte Key-Beleuchtung arbeitest du im Format der Szene — bei Kopfschuss mindestens 1,5×1,5 Meter, bei Ganzkörper deutlich größer. Weiße Bounce funktioniert am konsistentesten; silberne Reflektoren geben mehr Punch, aber weniger diffus. Und vergiss nicht: Bounce braucht Abstand und Winkel. Je größer die Fläche relativ zur Lichtquelle, desto weicher das Rückenlicht — ein physikalisches Prinzip, das am Set genauso gilt wie in der Theorie.

Aktuelles

Moderne COB-LEDs wie die Amaran 200xs kombinieren hohe Lichtleistung mit Bi-Color-Technologie und Bowens-Mount für Softboxen. Diese vielseitigen Geräte eignen sich sowohl für direktes Keylighting als auch für indirektes Bounce-Licht über Reflektoren oder Wände. Der standardisierte Bowens-Anschluss erleichtert den schnellen Wechsel zwischen harten und weichen Lichtcharakteristiken.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich positioniere Reflektoren millimetergenau – ein 120cm Silberreflektor in 2m Abstand gibt mir genau eine Blende Aufhellung, bei 1m bereits anderthalb Blenden. Die Augenlichter entstehen perfekt natürlich, während LED-Panels oft mehrere Spitzlichter in der Iris erzeugen. Bei Außendrehs tausche ich zwischen Gold- und Silberseite je nach Sonnenstand, um die Farbtemperatur konstant zu halten.

Regisseur

Ich nutze Reflektoren gezielt für emotionale Lichtführung – warmes Gold für romantische Szenen, hartes Silber für Thriller-Sequenzen. Das weiche, natürliche Licht von Reflektoren lässt Schauspieler entspannter agieren als bei gleißenden LED-Panels. In Dialogszenen variiere ich die Reflektor-Intensität durch Abstand, um Machtverhältnisse zwischen Charakteren visuell zu verstärken.

Produzent

Ein 5-in-1-Reflektor-Set kostet 150 Euro und ersetzt fünf verschiedene Lichtgeräte ohne Stromkosten oder Transportaufwand. Bei Außendrehs spare ich täglich 300-500 Euro Generator-Miete und reduziere die Crew um einen Elektriker. Die Zeitersparnis beim Setup ist erheblich – 30 Sekunden Reflektor-Aufbau gegen 15 Minuten für vergleichbare HMI-Ausleuchtung.

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