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Seitengriff
Kamera · Begriffe

Seitengriff

Side Handle
Murnau AI illustration
15lb sandbag 20 c stand 216 diffusion 250 diffusion 251 diffusion 25lb sandbag 35lb sandbag 40 c stand

Seitlicher Handgriff am Kamera-Rig für stabilere Führung und zusätzliche Kontrolle bei handgehaltenen Aufnahmen.

Technische Details

Professionelle Seitengriffe bestehen aus CNC-gefrästem Aluminium oder Carbon und wiegen zwischen 180-450 Gramm. Die Befestigung erfolgt über standardisierte Rosette-Clamps mit M6-Schrauben oder Quick-Release-Mechanismen mit 8-12 Nm Anzugsmoment. Hochwertige Modelle integrieren Start/Stop-Buttons, Aufnahmetaster und REC-Trigger mit Kabellängen von 30-60 cm. Erweiterte Varianten wie der ARRI Side Handle SH-3 oder RED Pro Handle bieten zusätzliche 1/4"-20 und 3/8"-16 Gewinde für Zubehörmontage sowie interne Kabelführung.

Geschichte & Entwicklung

Seitengriffe entstanden Mitte der 1980er Jahre mit dem Aufkommen leichterer Kameras wie der Arriflex SR. Die erste standardisierte Rosette-Verbindung entwickelte ARRI 1987 für die SR-Serie. RED revolutionierte 2007 mit der RED One das Konzept durch modulare Griff-Systeme mit integrierten Bedienelementen. Sony führte 2015 mit der FX-Serie ergonomisch optimierte Griffe mit 20° Neigung ein, die heute Industriestandard sind.

Praxiseinsatz im Film

Seitengriffe finden primär bei dokumentarischen Arbeiten und Run-and-Gun-Produktionen Anwendung. Roger Deakins nutzte bei "1917" modifizierte ARRI-Griffe für die kontinuierlichen Steadicam-Sequenzen. Bei TV-Serien wie "The Walking Dead" ermöglichen Quick-Release-Griffe schnelle Kamerawechsel zwischen Stativ und Handheld. Der Griff reduziert Handgelenkbelastung um bis zu 40% gegenüber reiner Top-Handle-Führung und verbessert die Bildstabilität durch tieferen Schwerpunkt.

Vergleich & Alternativen

Im Gegensatz zum Top Handle bietet der Seitengriff bessere Gewichtsverteilung bei längeren Handheld-Sessions. Cage-Systeme von SmallRig oder Tilta integrieren Seitengriffe in komplette Rig-Strukturen, während isolierte Griffe maximale Mobilität gewährleisten. Moderne Gimbal-Systeme verdrängen klassische Seitengriffe bei stabilisierten Aufnahmen, jedoch bleiben sie für spontane Kameraführung und extreme Winkel unverzichtbar. Dual-Handle-Setups kombinieren Seiten- und Top-Griffe für maximale Flexibilität.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich verwende Seitengriffe hauptsächlich für längere Handheld-Sequenzen, da sie die natürliche Armposition unterstützen und weniger Ermüdung verursachen als Top-Handles. Die Integration von Start/Stop-Buttons direkt am Griff beschleunigt meinen Workflow erheblich, besonders bei dokumentarischen Drehs wo jede Sekunde zählt.

Regisseur

Der Seitengriff gibt mir die Freiheit für spontane, organische Kameraführung in intimen Dialogszenen oder verfolgenden Bewegungen. Ich kann näher an die Schauspieler heran und reagiere unmittelbarer auf ihre Performance, ohne auf schwerfällige Rig-Systeme angewiesen zu sein.

Produzent

Ein hochwertiger Seitengriff kostet 300-800 Euro, reduziert aber Kameramann-Ermüdung und damit potenzielle Verzögerungen am Set. Die Quick-Release-Funktion spart täglich 15-20 Minuten Umbauzeit zwischen Stativ- und Handheld-Setups, was bei 250 Drehtagen erhebliche Kosteneinsparungen bedeutet.

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