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Primoplan 75
Kamera · Begriffe

Primoplan 75

Murnau AI illustration
flow para roll take

Meyer-Optik Primoplan 75mm f/1.9: Klassisches Portrait-Objektiv mit cremigem Bokeh und weicher Bildzeichnung aus DDR-Produktion.

Technische Details

Das Primoplan basiert auf einer modifizierten Triplet-Konstruktion mit vier Linsen in drei Gruppen. Die maximale Blendenöffnung beträgt f/1.9, die kleinste f/22. Der Fokussierbereich erstreckt sich von 1 Meter bis Unendlich bei einem Filtergewinde von 58mm. Das Objektiv wiegt 420 Gramm und misst 65mm in der Länge. Verfügbar war es ursprünglich für Exakta-Bajonett, später auch für M42-Gewinde und andere Anschlüsse. Die optische Rechnung stammt noch aus der Vorkriegszeit und wurde bis zur Einstellung der Produktion kaum verändert.

Geschichte & Entwicklung

Hugo Meyer entwickelte das erste Primoplan 1936 für seine in Dresden ansässige Firma. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion 1946 in Görlitz wiederaufgenommen, zunächst unter sowjetischer Verwaltung. 1991 endete die Serienproduktion nach über 55 Jahren. Zwischen 2015 und 2018 versuchte das wiederbelebte Unternehmen Meyer Optik Görlitz eine Neuauflage, die jedoch nach wenigen hundert Exemplaren eingestellt wurde. Insgesamt entstanden schätzungsweise 100.000 Exemplare des Originals.

Praxiseinsatz im Film

Das Primoplan findet heute hauptsächlich bei Independent-Produktionen Verwendung, die seinen vintage Look schätzen. Kameraleute nutzen es für Portraitsequenzen und Close-ups, wo das kreisrunde Bokeh Gesichter vom Hintergrund isoliert. Bei offener Blende zeigt das Objektiv deutliche chromatische Aberrationen und eine weiche Zeichnung, die ab f/4 merklich schärfer wird. Der Fokusring erfordert präzises Arbeiten, da der Schärfeverlauf sehr graduell erfolgt. Moderne Adapter ermöglichen den Einsatz an digitalen Kameras, wobei der Crop-Faktor die effektive Brennweite beeinflusst.

Vergleich & Alternativen

Das Primoplan unterscheidet sich von modernen 75mm-Objektiven durch seine deutlich weniger korrigierten Abbildungsfehler. Während aktuelle Objektive wie das Zeiss Otus 85mm f/1.4 technische Perfektion anstreben, erzeugt das Primoplan bewusst "Fehler" als Stilmittel. Als moderne Alternative mit ähnlichem Bokeh-Charakter gilt das Meyer Trioplan 100mm f/2.8, das die gleiche optische Philosophie verfolgt. Für Produktionen mit höchsten Schärfeansprüchen bleibt das Primoplan jedoch ungeeignet - hier dominieren apochromatisch korrigierte Systeme von Zeiss, Leica oder Canon.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich setze das Primoplan gezielt für emotionale Nahaufnahmen ein, wo die weiche Zeichnung bei f/1.9 und das charakteristische Bokeh die Stimmung unterstützen. Der graduelle Fokusfall erfordert präzise Schärfeziehung, belohnt aber mit einer organischen Bildsprache, die moderne Objektive nicht erreichen. Ab f/4 wird es brauchbar scharf für Detailaufnahmen, verliert aber seinen besonderen Charakter.

Regisseur

Das Primoplan hilft mir, Figuren visuell zu isolieren und intime Momente zu schaffen - die Seifenblasen-Unschärfe wirkt träumerisch und nostalgisch. Bei Rückblenden oder emotionalen Höhepunkten verstärkt die weiche Zeichnung die gewünschte Atmosphäre. Für moderne, cleane Looks ist es ungeeignet, aber für Period Pieces oder kunstvolle Arthouse-Produktionen unschlagbar.

Produzent

Vintage-Objektive wie das Primoplan kosten als gut erhaltene Exemplare zwischen 800-2000 Euro, deutlich weniger als moderne Cine-Optiken. Der Adapter-Aufwand ist minimal, aber die längeren Einstellzeiten durch manuellen Fokus können Drehtage verlängern. Für Nischenprojekte mit kleinem Budget bietet es einen unverwechselbaren Look, der teure Post-Production-Effekte erspart.

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