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Panavision Ultra 70
Kamera · Equipment

Panavision Ultra 70

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65mm-Kamerasystem von Panavision für Ultra-Widescreen-Aufnahmen — projiziert auf 70mm-Film im 2,76:1-Format.

Technische Details

Das System arbeitet mit Panavisions sphärischen System 65-Objektiven, die speziell für das große Negativformat gerechnet wurden. Die Kamerageschwindigkeit liegt standardmäßig bei 24fps, wobei Hochgeschwindigkeitsaufnahmen bis 120fps möglich sind. Der Filmtransport erfolgt über ein Doppelgreifer-System mit registerstiftgesteuerter Bildstandsicherung. Die Objektive decken Brennweiten von 35mm bis 500mm ab, wobei das 50mm als Standard-Brennweite gilt. Das Filmmaterial läuft vertikal durch die Kamera, was eine kompaktere Bauweise ermöglicht als horizontale 65mm-Systeme wie VistaVision.

Geschichte & Entwicklung

Panavision entwickelte Ultra 70 in den späten 1980er Jahren als Antwort auf die wachsende Nachfrage nach großformatigen Kinoprojektionen. Das System feierte 1990 sein Debüt mit Ron Howards "Far and Away". Im Gegensatz zu früheren 65mm-Systemen wie Todd-AO konzentrierte sich Panavision auf verbesserte optische Qualität und praktischere Handhabung am Set. Nach dem digitalen Wandel erlebte Ultra 70 eine Renaissance durch Christopher Nolans konsequenten Einsatz des Formats, beginnend mit "The Dark Knight" (2008), wo erstmals 65mm-Material mit IMAX-Projektionen kombiniert wurde.

Praxiseinsatz im Film

"Dunkirk" (2017) wurde zu über 70% in Ultra 70 gedreht, wobei die Luftkampfszenen die außergewöhnliche Detailauflösung des Formats demonstrierten. Paul Thomas Anderson nutzte das System für "The Master" (2012), um die psychologische Intensität der Charakterstudien durch das immersive Großformat zu verstärken. Der Workflow erfordert spezielle Projektoren und Leinwände für die optimale Wiedergabe. Die Belichtungszeit pro Bild ist aufgrund der großen Negativfläche kritischer als bei kleineren Formaten, wodurch präzise Lichtmessung unerlässlich wird.

Vergleich & Alternativen

Ultra 70 unterscheidet sich von IMAX 70mm durch das vertikale statt horizontale Filmformat und die geringere Bildgröße. Gegenüber Standard-35mm bietet es die vierfache Negativfläche, was in deutlich höherer Auflösung und verbesserter Farbsättigung resultiert. Moderne digitale Alternativen wie RED 8K oder ARRI ALEXA 65 erreichen ähnliche Auflösungen, können jedoch die charakteristische Filmkörnung und Farbsättigung des analogen 65mm-Materials nicht vollständig replizieren. Für Produktionen mit ausreichendem Budget bleibt Ultra 70 das Premium-Format für maximale Bildqualität.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Als DoP schätze ich bei Ultra 70 besonders die natürliche Tiefenschärfe-Staffelung, die durch das große Format entsteht – ich kann mit offener Blende arbeiten und dennoch präzise fokussieren. Die Detailauflösung in den Schatten ist phänomenal, allerdings erfordert die Belichtung absolute Präzision, da das Material weniger Korrekturspielraum bietet als kleinere Formate.

Regisseur

Ultra 70 gibt mir die Möglichkeit, Zuschauer physisch in die Szene hineinzuziehen – die Immersion ist bei Großleinwand-Projektionen unvergleichlich. Ich nutze das Format gezielt für emotionale Schlüsselmomente oder epische Landschaften, da die Bildwirkung die narrative Intensität exponentiell steigert. Allerdings muss ich Schnittrhythmus und Kadrage anders denken, da das Format mehr Ruhe und längere Einstellungen verträgt.

Produzent

Ultra 70 bedeutet mindestens 300% höhere Materialkosten gegenüber 35mm, plus spezialisierte Laborkosten für Entwicklung und Kopienherstellung. Die Kameramiete liegt bei etwa 8.000€ pro Woche, hinzu kommen begrenzte Verfügbarkeit und längere Vorlaufzeiten für Equipment. Für die Verwertung brauche ich garantierte IMAX- oder Premium-Large-Format-Abspielstätten, sonst rechtfertigt sich der Mehraufwand wirtschaftlich nicht.

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