Filmlexikon.
Unterstützen
Lavender Net
Licht · Begriffe

Lavender Net

Murnau AI illustration
15lb sandbag 20 c stand 216 diffusion 250 diffusion 251 diffusion 25lb sandbag 35lb sandbag 40 c stand

Lavender-farbenes Diffusionsnetz von Lee Filters — reduziert Lichtintensität um ca. 50% und erzeugt weiches, violett getöntes Licht.

Technische Details

Lavender Nets bestehen aus synthetischem Netzgewebe mit einer Maschenweite von 0,8 bis 1,2 mm und einer Materialstärke von 0,1 mm. Die violette Färbung erfolgt durch eingewebte Fasern oder nachträgliche Beschichtung mit lichtechten Pigmenten. Standardgrößen reichen von 12"×12" bis 20"×20" für Flag-Montage, sowie 6"×6" bis 8"×8" für kleinere Leuchten. Das Material ist hitzebeständig bis 120°C und transmittiert etwa 60-70% des einfallenden Lichts. Varianten unterscheiden sich in der Netzstärke: Single Net (feinere Diffusion), Double Net (stärkere Streuung) und Half Net (graduelle Übergänge).

Geschichte & Entwicklung

Lavender Nets entwickelten sich in den 1980er Jahren aus den klassischen weißen Diffusionsnetzen, als Kameraleute nach Möglichkeiten suchten, Tageslicht und Kunstlicht farblich anzugleichen ohne separate Farbfolien. Der erste dokumentierte Einsatz erfolgte 1984 bei "The Natural" unter DoP Caleb Deschanel. Matthews Studio Equipment standardisierte die Produktion 1987 und etablierte die heute üblichen Größen. Mit dem Aufkommen digitaler Kameras ab 2000 gewann das Lavender Net neue Bedeutung, da digitale Sensoren stärker auf Farbtemperaturabweichungen reagieren als Film.

Praxiseinsatz im Film

Roger Deakins verwendete Lavender Nets extensiv in "Blade Runner 2049" (2017) für die nächtlichen Außenszenen, um Natriumdampflampen farblich zu korrigieren. Typischer Workflow: Montage in C-Stand mit Flag-Arm 60-80 cm vor der Lichtquelle, kombiniert mit Barndoors zur Lichtformung. Das Netz erzeugt weichere Schatten als Diffusionsfolien und erhält mehr Lichtrichtung als Softboxen. Nachteil: Netzstruktur kann bei direkter Anstrahlung reflektierender Oberflächen sichtbar werden. Besonders effektiv bei LED-Panels mit hohem Rot-Anteil.

Vergleich & Alternativen

Im Gegensatz zu CTB-Folien (Color Temperature Blue) bietet das Lavender Net gleichzeitig Diffusion und Farbkorrektur. Silk-Diffusion erzeugt weichere Übergänge, aber ohne Farbverschiebung. Modern ersetzen oft digitale Farbkorrekturen in der Post-Production die physische Filterung, jedoch bleibt die mechanische Lichtstreuung unersetzbar. Lee Filters 3/4 CTB + Opal Frost erreicht ähnliche Ergebnisse, benötigt aber zwei Filter. Bei LED-Leuchten mit variabler Farbtemperatur kann die Färbung digital erfolgen, die Diffusionswirkung muss physisch erzeugt werden.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich nutze Lavender Nets hauptsächlich bei Mixed-Light-Situationen, wo ich warme Practicals mit kühlerem Key Light ausbalancieren muss. Das Netz gibt mir eine natürlichere Lichtqualität als reine CTB-Folien und ich spare mir das Doppel-Flagging mit separater Diffusion. Bei digitalen Kameras sehe ich sofort im Monitor, ob die Farbkorrektur ausreicht oder ob ich zusätzlich mit Gels arbeiten muss.

Regisseur

Für mich ist das Lavender Net ein Werkzeug, um emotionale Übergänge zwischen warmen und kühlen Szenen fließender zu gestalten. Statt harter Schnitte zwischen verschiedenen Farbtemperaturen kann ich Zwischentöne schaffen, die das Publikum subtil auf Stimmungsänderungen vorbereiten. Besonders bei Thriller-Szenen nutze ich die kühlere Tönung, um unterschwellige Bedrohung zu suggerieren.

Produzent

Lavender Nets reduzieren meine Ausrüstungskosten, da sie zwei Filter in einem vereinen – weniger Equipment bedeutet weniger Transport und schnellere Setup-Zeiten. Ein Set kostet etwa 150-200 Euro und ist deutlich günstiger als separate CTB- plus Diffusionsfilter. Die Zeitersparnis bei komplexen Beleuchtungssetups kann bei knappen Drehtagen den Unterschied zwischen Überstunden und planmäßigem Drehschluss bedeuten.

Im Lexikon weiter

Verwandte Begriffe

Wissen testen

Quiz

1. Was beschreibt „Lavender Net" am besten?

2. Zu welchem Department gehört „Lavender Net"?

3. Wie viele verschiedene Fachperspektiven bietet dieser Eintrag?

Fehler melden
Aus dem Filmfarm-Ökosystem

Bildsprache verstehen, Produktionen kalkulieren, Crew vernetzen.

Das Lexikon ist Teil des Filmfarm-Ökosystems — neben Kalkulation (FilmBalance), Branchen-Magazin (FilmCircus) und Crew-Vernetzung (FilmCall, CrewMesh). Eine gemeinsame Begriffswelt für die ganze Produktion.

FilmFarm FilmRadarBald verfügbarFilmPulseBald verfügbarFilmNumbersBald verfügbarFilmCapitalBald verfügbarFilmLabBald verfügbarFilmBalanceBald verfügbarFilmCircusBald verfügbar