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Dual-Fokus-Anamorphot
Kamera · Technik

Dual-Fokus-Anamorphot

Dual Focus Anamorphic
Murnau AI illustration
anamorphotische optik single focus anamorphic anamorphic bokeh

Anamorphe Objektive mit separaten Fokusringen für horizontale und vertikale Bildebene — frühe Bauart vor Single-Focus-Entwicklung.

Technische Details

Dual-Fokus-Anamorphote bestehen aus einem vorderen anamorphen Element mit Brennweiten zwischen 40mm und 100mm und einem hinteren sphärischen Objektiv. Die horizontale Kompression erfolgt durch zylindrische Linsen mit einem Kompressionsverhältnis von exakt 2:1. Typische Lichtstärken liegen zwischen T2.8 und T4.0. Die Naheinstellgrenze variiert zwischen 0,9m und 1,5m je nach Brennweite. Das Gewicht bewegt sich zwischen 2,5kg und 4,2kg pro Objektiv.

Klassische Hersteller wie Panavision, Hawk und Kowa verwenden unterschiedliche Glasformulierungen, die charakteristische Bokeh-Effekte und Lens Flares erzeugen. Die elliptischen Unschärfekreise entstehen durch die zylindrische Kompression, während horizontale Lens Flares durch die längliche Austrittspupille verursacht werden.

Geschichte & Entwicklung

Henri Chrétien entwickelte 1927 das erste Hypergonar-System für das französische Militär. 20th Century Fox erwarb 1952 die Rechte und führte CinemaScope mit "The Robe" (1953) ein. Panavision perfektionierte ab 1957 die Dual-Fokus-Technologie mit der C-Serie und später der E-Serie in den 1970ern.

Technische Durchbrüche erzielten Hawk Anamorphics in den 1990ern mit verbesserten Beschichtungen und Kowa mit kompakteren Bauformen. Cooke brachte 2013 die Anamorphic/i-Serie auf den Markt, die erstmals durchgehend T2.3 Lichtstärke bot.

Praxiseinsatz im Film

Sergio Leone verwendete Techniscope-Anamorphote für die Dollar-Trilogie und schuf ikonische Weitwinkel-Nahaufnahmen. Ridley Scott setzte in "Blade Runner" (1982) Panavision E-Serie ein, um futuristische Stadtlandschaften zu komprimieren. Christopher Nolan kombiniert in "Dunkirk" (2017) Panavision System 65 mit 65mm-Film für maximale Auflösung.

Die duale Fokussierung erfordert präzise Schärfeziehung durch zwei Assistenten. Focus Puller müssen horizontale und vertikale Schärfeebenen koordinieren, was die Arbeitsgeschwindigkeit um etwa 30% reduziert.

Vergleich & Alternativen

Single-Focus-Anamorphote (Panavision G-Serie, Arri Master Anamorphic) eliminieren die duale Fokussierung durch interne optische Kompensation. Spherical-Crop-Verfahren beschneiden 16:9-Sensoren auf 2,39:1, verzichten aber auf anamorphe Charakteristika.

Moderne Alternativen wie Arri Signature Primes oder Atlas Orion bieten anamorphe Ästhetik mit sphärischer Bedienfreundlichkeit. Dual-Fokus-Systeme bleiben für authentische Vintage-Looks und extreme Brennweiten unter 35mm unverzichtbar.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich muss bei Dual-Fokus-Objektiven permanent beide Fokusringe im Auge behalten, was besonders bei Steadicam-Fahrten zur Herausforderung wird. Die elliptischen Bokeh-Kreise und horizontalen Lens Flares geben mir aber eine unverwechselbare visuelle Signatur, die digital nicht replizierbar ist. Der Mehraufwand beim Schärfeziehen zahlt sich durch die organische Bildwirkung aus.

Regisseur

Diese Objektive zwingen mich zu bewussteren Kamerabewegungen, da spontane Fokusänderungen schwieriger werden. Die extreme Breitwandästhetik verstärkt emotionale Momente durch Isolation der Charaktere in der horizontalen Bildkomposition. Für Actionsequenzen nutze ich die verzerrten Randbereiche, um Geschwindigkeit zu visualisieren.

Produzent

Dual-Fokus-Objektive verlängern jeden Drehtag um durchschnittlich 45 Minuten durch komplexere Fokussierung und häufigere Wiederholungen. Die Leihkosten liegen bei 800-1200€ pro Objektiv/Woche, dazu kommen speziell geschulte Focus Puller. Der Mehraufwand rechtfertigt sich aber durch die Unique Selling Proposition des authentischen Anamorphic-Looks.

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