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Clip-On Kompendium
Kamera · Begriffe

Clip-On Kompendium

Clip-On Matte Box
Murnau AI illustration
compositing keying green screen blue screen chroma key roto rotoscoping digital matte painting

Kompendium das direkt am Objektiv befestigt wird. Für leichte Kameras ohne Stativschienen-System.

Technische Details

Standard-Clip-On-Kompendien bieten 1-3 Filtersteckplätze für 4x4" oder 4x5.65" Filter, wobei der vordere Slot rotierbar für Polarisations- und Verlaufsfilter ausgelegt ist. Das Gegenlichtblenden-System arbeitet mit austauschbaren Masken, die Brennweiten von 16mm bis 200mm (KB-Äquivalent) abdecken. Hochwertige Modelle wie das Arri MMB-2 erreichen eine Streulichtreduzierung von bis zu 95% bei seitlichem Lichteinfall. Die Konstruktion erfolgt aus eloxiertem Aluminium mit mattschwarzer Innenbeschichtung zur Reflexionsvermeidung.

Geschichte & Entwicklung

Panavision entwickelte 1968 die ersten Clip-On-Kompendien für ihre Anamorphic-Objektive, da herkömmliche Schraubfilter die extreme Frontlinse beschädigten. Arri standardisierte 1984 mit dem Kompendium K2.47368 die 4x4"-Filteraufnahme für 35mm-Kameras. Tiffen führte 1991 das erste Carbon-Fiber-Modell ein, das bei 340g Gewicht drei Filtersteckplätze bot. Moderne Entwicklungen integrieren motorisierte Polfilter-Rotation und elektronische ND-Filter mit 1-10 Blendenstufen Regelbereich.

Praxiseinsatz im Film

Roger Deakins verwendete bei "Blade Runner 2049" (2017) Clip-On-Kompendien mit speziellen Amber-Warming-Filtern für die Innenaufnahmen in Wallace Corporation. Das System ermöglichte schnelle Filterwechsel während der 18-minütigen Steadicam-Sequenzen. Bei Handheld-Drehs reduziert das Clip-On im Vergleich zu Rod-Support-Systemen das Kamera-Rig um durchschnittlich 2,3kg. Nachteil: Bei Brennweiten unter 14mm entstehen Vignettierungen, die in der Post-Production korrigiert werden müssen.

Vergleich & Alternativen

Studio-Kompendien (Matte Box) mit 15mm-Rod-Support bieten stabilere Filterhaltung und präzisere Lichtabschirmung, wiegen jedoch 2-4kg zusätzlich. Schraubfilter am Objektiv kosten 60-80% weniger, limitieren aber auf zwei Filter maximum und erschweren schnelle Wechsel. Moderne Variable-ND-Filter ersetzen zunehmend mechanische Kompendien bei Dokumentar- und Run&Gun-Produktionen. Drop-In-Filter-Systeme großer Teleobjektive (400mm+) funktionieren nach ähnlichem Clip-On-Prinzip, jedoch objektiv-intern montiert.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich schätze Clip-On-Kompendien für schnelle Handheld-Sequenzen, da sie das Rig-Gewicht minimal halten und trotzdem saubere Verlaufsfilter-Übergänge ermöglichen. Bei kritischen Gegenlicht-Situationen teste ich vorher die Streulicht-Performance, weil günstige Modelle oft unerwünschte Lens-Flares durchlassen. Der schnelle Filterwechsel zwischen Innen- und Außenaufnahmen spart mir täglich 20-30 Minuten Setup-Zeit.

Regisseur

Für mich bedeutet das Clip-On-System mehr spontane Bildlooks ohne schweres Equipment - ich kann während der Probe entscheiden, ob die Abendsonne durch einen Warming-Filter emotionaler wirkt. Die kompakte Bauweise erlaubt mir, auch in engen Räumen oder Fahrzeugen mit Filtern zu arbeiten, wo eine große Matte Box unmöglich wäre. Allerdings muss ich bei extremen Weitwinkel-Einstellungen Vignettierung als Gestaltungselement einkalkulieren oder darauf verzichten.

Produzent

Ein Clip-On-Kompendium kostet 800-2.500 Euro versus 4.000-8.000 Euro für Studio-Matte-Boxes - bei 90% der Funktionalität eine klare Kalkulation für Budget-bewusste Produktionen. Das reduzierte Gewicht spart mir Steadicam-Operator-Overtime und ermöglicht längere Handheld-Takes ohne zusätzliche Pausen. Einziger Kostenfaktor: Bei intensiver Nutzung müssen Filtersteckplätze alle 200-300 Drehtage wegen Verschleiß getauscht werden.

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