Lichttransparenz im Schattenverlauf — die Fläche zwischen Key und Fill, wo noch Detailzeichnung sichtbar bleibt. Entscheidend für dreidimensionale Gesichtsmodellierung.
Im Produktionsalltag reden wir von Fenster, wenn es um die zeitliche Staffelung geht, in der ein Film verschiedene Verwertungskanäle durchläuft. Das beginnt schon während der Post-Production — zwischen Drehschluss und dem Tag, an dem der erste Zuschauer im Kino sitzt, liegen typischerweise 12 bis 18 Monate. In dieser Zeit laufen Schnitt, Sound Design, VFX, Color Grading parallel. Der Distributor plant parallel die Marketingkampagne, bucht Kino-Slots, koordiniert mit Streamingplattformen. Jede Phase hat ihr eigenes Fenster — und die Überschneidungen sind kritisch.
Die klassische Fenster-Logik sah lange so aus: Kino bekommt exklusive 6 bis 8 Wochen, dann Premium-VOD (Video on Demand), später Standard-VOD, irgendwann TV und Free-to-Air, am Ende Streaming. Heute ist das völlig aufgeweicht. Corona hat beschleunigt, was ohnehin kam — gleichzeitige Kinostart und Streaming-Release sind bei manchen Studios Standard. Die Fenster-Länge schrumpft, vor allem bei kleineren Produktionen oder unabhängigen Filmen. Ein A-Film mit 100+ Millionen Budget kriegt immer noch sein exklusives Fenster im Kino, weil die Chancen auf internationale Ticketverkäufe das rechtfertigen. Ein mittlerer Genre-Film wird hingegen oft parallel oder nur wenige Wochen gestaffelt ausgewalzt.
Praktisch heißt das für uns: Schon beim Drehen überlegen wir, in welches Fenster-Szenario der Film wahrscheinlich fällt. Ein Arthouse-Drama braucht andere Schnittentscheidungen, andere DCP-Specs als ein Film, der primär für Streaming designed ist. Die Farbkorrektur unterscheidet sich — Kino verträgt extremere Kontraste, Streaming läuft auf hundert verschiedenen Bildschirmen ab, da muss Bild robuster sein. Und bei der Soundmischung: Wenn der Film garantiert sechs Wochen im Kino läuft, investieren wir in eine richtige 7.1 oder Dolby Atmos-Fassung. Wenn unklar ist, rechnen wir mit Stereo-Fallbacks.
Der Vertrag zwischen Produktion, Distributor und Plattformen legt fest, wie lange jedes Fenster dauert und ob parallele Auswertung möglich ist. Merchandising, Marketing-Push, alles wird nach Fenster-Planung gefahren. Wenn beispielsweise Netflix den Film vier Monate nach Kinostart kriegt und Kino-Startdatum wackelt, zerfällt sofort der ganze Plan. Darum sitzen Produzent, Distributor und Studios in regelmäßigen Meetings — vor allem in den letzten 6 Monaten vor Drehschluss.