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Überblick
Als "Scratch" (deutsch: Kratzer) bezeichnet man im Kamera- und Filmtechnik-Bereich eine mechanische Beschädigung der Filmoberfläche, die sich im Bild als durchgehende, meist senkrecht (in Filmlaufrichtung) verlaufende Linie zeigt. Scratches sind ein klassisches Filmdefekt-Phänomen analoger Produktion: Sie entstehen, wenn das Filmmaterial während des Transports an einem festen Partikel oder einer Kante entlangläuft und dabei die Trägerschicht (Base) oder die Emulsionsschicht verletzt wird.
Verwandt, aber nicht gleichbedeutend ist das englische "hair in the gate": Damit ist ein Fussel oder Spliss gemeint, der ins Bildfenster ragt und dort als meist statische dunkle Form am Bildrand sichtbar wird – kein durch Abrieb entstandener Längskratzer. Beide Probleme entstehen im Bildfenster (Gate) und werden durch dieselbe Kontrolle ("Check the Gate") abgefangen, sind aber unterschiedliche Defekte. Ein dauerhafter Kratzer auf dem Negativ überträgt sich auf jede Kopie und ist analog praktisch irreversibel.
Ursachen und Erscheinungsbild
- Ort der Entstehung: typischerweise im Bildfenster (Gate), an der Andruckplatte (Pressure Plate) oder allgemein im Filmkanal der Kamera; ebenso möglich in Projektor und Scanner.
- Auslöser: Schmutz, Staub, abgeriebene Materialpartikel ("Spliss") oder Kristallablagerungen, die sich zwischen Film und Mechanik festsetzen.
- Richtung: Längskratzer verlaufen in Transportrichtung des Films; quer verlaufende Kratzer deuten eher auf Fehler beim Einlegen (Loading) hin.
- Lage: Kratzer können auf der Trägerseite (Base) oder auf der Emulsionsseite liegen. Base-seitige Kratzer sind leichter zu kaschieren; emulsionsseitige Kratzer bedeuten echten Bildverlust, da Bildinformation fehlt.
- Sichtbarkeit: Auf dem Negativ können Kratzer in der späteren Positivkopie als deutlich sichtbare Linien erscheinen – Base-seitige Kratzer drucken eher hell/weiß durch, emulsionsseitige eher dunkel/schwarz. Bei Farbnegativ können je nach betroffener Farbschicht auch farbige (etwa gelbliche) Linien entstehen.
Einsatz am Set und in der Post
Zur Vermeidung von Scratches wird das Bildfenster nach kritischen Einstellungen kontrolliert: Auf den Ruf "Check the Gate" prüft der/die 1st AC (Schärfeassistenz) das Gate auf Fussel und Partikel, bevor zum nächsten Setup gewechselt wird. Reinigung erfolgt vorsichtig, etwa mit Orangewood-Stäbchen oder Druckluft. Sauberes, regelmässig gewartetes Equipment ist die wichtigste Vorbeugung.
In der Restaurierung und Filmabtastung lassen sich Scratches teilweise reduzieren: Bei der Nasstrocknung (Wet-Gate-Abtastung) wird der Film durch eine Flüssigkeit mit ähnlichem Brechungsindex geführt, sodass flache Base-Kratzer optisch "aufgefüllt" werden; digital werden Linien per Dust-&-Scratch-Removal-Software entfernt.
Abgrenzung
Nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Tonbegriff "Scratch-Track" (temporäre Referenz-/Hilfstonspur) oder der "Scratch Disk" (temporärer Cache-Speicher beim Videoschnitt). In Kamera/Technik meint "Scratch" den physischen Kratzer auf dem Material. Ebenfalls abzugrenzen vom verwandten "hair in the gate" (ins Bildfenster ragender Fussel/Spliss), das kein Kratzer ist.