Minolta-Objektiv mit 58mm Brennweite und f/1.2 Lichtstärke — extrem lichtstarke Optik für Available Light und charakteristische Unschärfe.
Technische Details
Das Objektiv verfügt über eine 6-Linsen-Konstruktion in 4 Gruppen mit einer vorderen Linse von 49mm Filterdurchmesser. Die Blendenlamellen arbeiten in 6 Stufen von f/1.2 bis f/16, wobei die Schärfentiefe bei Offenblende extrem gering ausfällt - bei 2 Metern Entfernung beträgt sie nur 8 Zentimeter. Das Objektiv misst 64mm in der Länge und 70mm im Durchmesser. Die optische Konstruktion basiert auf einem modifizierten Double-Gauss-Design, das speziell für die extreme Lichtstärke optimiert wurde.
Geschichte & Entwicklung
Minolta führte das Rokkor 58mm f/1.2 1962 als Flaggschiff-Objektiv für das neue SR-System ein. Es entstand als direkte Antwort auf Canons 58mm f/1.2 und sollte Minoltas technische Kompetenz im Objektivbau demonstrieren. 1966 folgte eine überarbeitete Version mit verbesserter Mehrschichtvergütung (MC Rokkor), 1973 die MD-Version für das erweiterte Belichtungssystem. Die Produktion endete 1985 mit der Einführung des Autofokus-Systems.
Praxiseinsatz im Film
Cinematographer Haskell Wexler nutzte adaptierte Rokkor-Objektive für Available-Light-Szenen in "Medium Cool" (1969), da sie bei extremem Schwachlicht noch handhaltbare Verschlusszeiten ermöglichten. Die 58mm-Brennweite liegt zwischen Standard 50mm und Portrait 85mm und erzeugt eine natürliche Perspektive ohne Weitwinkel-Verzerrung. Bei Offenblende entsteht ein charakteristisches Bokeh mit leichtem Swirl-Effekt an den Bildrändern. Das Objektiv eignet sich besonders für Nachtaufnahmen und intimere Szenen, wo die geringe Schärfentiefe zur Subjektisolierung genutzt wird.
Vergleich & Alternativen
Im Vergleich zum zeitgenössischen Canon 58mm f/1.2 bietet das Rokkor schärfere Abbildung bereits bei Offenblende, jedoch weniger cremiges Bokeh. Moderne Alternativen wie das Voigtländer Nokton 58mm f/1.4 erreichen ähnliche Lichtstärke bei besserer Korrektur, haben aber nicht den charakteristischen Vintage-Look. Für digitale Produktionen werden Rokkor-Objektive häufig an Sony E-Mount oder Canon EF adaptiert, wobei Focus-Peaking die manuelle Fokussierung erleichtert.