Spielfilm oder Dokumentation, die staatliche oder ideologische Botschaften via Erzählung und Ästhetik durchsetzt — Leni Riefenstahl, Eisenstein, oder subtil in Hollywoodware. Das Mittel ist immer Identifikation durch Erzählung.
Der Propagandafilm arbeitet nicht mit Botschaften, die sich dem Zuschauer wie ein Pamphlet vor die Augen halten — er funktioniert durch Erzählung, durch die Körper der Schauspieler, durch Schnittrhythmus und Musik. Das ist das Tückische und das Effektive zugleich. Der Staat, die Partei, die Ideologie verschwindet in der Geschichte selbst. Du sitzt im Kino und verfolgst einen Helden, einen Konflikt, eine Auflösung — und merkst erst im Nachhinein, wenn überhaupt, dass deine Gefühle in eine bestimmte Richtung gelenkt wurden.
Historisch haben das die großen Montage-Theoretiker des sowjetischen Kinos begriffen: Eisenstein wusste, dass Schnitt nicht nur Raum und Zeit verbindet, sondern Bedeutung schafft. Eine Einstellung des Arbeiters, geschnitten neben eine Einstellung des Maschinenteils — das ist bereits Propaganda, ohne ein Wort zu sprechen. Bei Riefenstahl war es die Masse, die Symmetrie, die Verherrlichung durch pure ästhetische Ordnung. In Hollywood der 1940er Jahre geschah es subtiler: Der Gegner wurde als unfähig, feige oder unzivilisiert gezeigt — nicht durch Rede, sondern durch Handlung, durch Blick, durch das, was die Kamera auf den Körper des Darstellers richtete.
Das Entscheidende für die Arbeit am Set und im Schnitt: Propaganda funktioniert über Identifikation. Die Kamera muss den Zuschauer in die innere Haltung der Figur ziehen — ihre Perspektive wird seine Perspektive. Der Antagonist wird nicht als Mensch mit Gründen gezeigt, sondern als Hindernis. Die Musik unterstreicht nicht, sie befielt dem Gefühl. Jeder technische Entscheidung — Bildausschnitt, Lichtsetzung, Timing des Schnitts — ist ideologisch geladen, ob bewusst oder unbewusst.
Das Tückische: Nicht nur totalitäre Systeme machen Propagandafilm. Jede Nation, jede Industrie, jede Überzeugung arbeitet damit. Der amerikanische Kriegsfilm der 1950er, der sowjetische Kolchos-Drama, das deutsche Heimat-Melodram der 1950er — allesamt Propagandafilm, weil sie Sehweisen einschleifen und Widersprechungen aus der Erzählung tilgen. Die Kunstfertigkeit besteht darin, dass der Zuschauer das nicht als Zwang empfindet, sondern als Wahrheit.