Schwedisches Kino-Sammelbecken für U-Boot-, Erotik- und Trivialfilme der 1950–70er — Gegenpol zum seriösen Bergmanfilm. Begriff für ungehemmten Genre-Kitsch mit Straßenkehrer-Appeal.
In den 1950er bis 70er Jahren entwickelte sich im schwedischen Kino ein eigenes Ökosystem für Filme, die bewusst außerhalb des intellektuellen Apparats operierten — Streifen, die man Navet nannte. Der Begriff funktioniert als Sammelbezeichnung für einen Stil: U-Boot-Abenteuer mit Pappkulissen, Erotikfilme mit skandinavischer Freizügigkeit, Kriminalroutinen ohne psychologische Tiefenschärfe. Das war das pure Gegenteil zum Bergman-Kino, das damals international die schwedische Filmkunst definierte.
Praktisch gesprochen handelt es sich um Genre-Kino mit industrieller Ungeniertheit — gedreht für Programmkinos, für Arbeiterviertel, für Menschen, die ins Kino gingen, um zwei Stunden Flucht zu haben, nicht um existenzielle Fragen zu verhandeln. Die Produktionsbedingungen waren eng: Kleine Budgets, schnelle Drehzeiten, lokale Besetzung. Die Ästhetik war zweckdienlich — flache Beleuchtung, funktionaler Schnitt, keine Kameraschwenks aus philosophischer Notwendigkeit. Man sah Navet-Filme an ihrem Griff nach Effekt an: die nackte Haut als Verkaufsversprechen, die Explosion als dramaturgischer Punkt, nicht als metaphorische Durchbrechung.
Was Navet filmhistorisch interessant machte: Es war ehrlich im Gegenteil zu vorgetäuschter Erhabenheit. Ein Navet-Film tat nicht so, als würde er etwas bedeuten, das er nicht meinte. Die Ästhetik war kommerziell, ja — aber transparent. Man kannte die Regeln, die Zuschauer kannten sie, und beide Seiten spielten das Spiel. Das unterschied Navet fundamental von europäischem B-Film-Gejammer, das seine Billigheit versteckte. Hier wurde sie zur Chiffre.
Für Kameramänner dieser Ära war Navet ein Arbeitsfeld wie jedes andere — manchmal mehr verdient als bei den großen Produktionen, weniger Kunstanspruch, dafür mehr Tempo am Set. Man lernte schnelles Leuchten, Improvisation mit kleinen Mitteln, die Grammatik des Effekts statt der Bedeutung. Navet verschwand nicht, weil das Kino sich veredelt hätte — es wurde von anderen Genre-Maschinen aufgesogen, von Exploitation und später vom direkten Video-Marketing. Die Filme selbst sind heute Raritäten, gegoogelt von Nostalgikern und Filmarchivaren, die das ungebrochen kommerzielle Kino früher Jahrzehnte dokumentieren.