Rechteckiger Lichtschutz vor dem Objektiv mit Filterhaltern — verhindert Streulicht und nimmt professionelle 4x4-Zoll-Filter auf.
Technische Details
Professionelle Kompendien bestehen aus einer 15-19 mm starken Carbon- oder Aluminium-Konstruktion mit verstellbaren Top-, Bottom- und Side-Flags. Die Filterführungen (Filter Trays) nehmen standardisierte 4x4", 4x5,65" oder 6,6x6,6" Filter auf, wobei bis zu drei Filterschächte übereinander angeordnet werden können. Der Anschluss erfolgt über Studioschienen (Studio Rods) mit 15mm oder 19mm Durchmesser, die Abstände zum Objektiv reichen von 80-300 mm je nach Brennweite. Moderne Systemen wie ARRI LMB oder Chrosziel MatteBox erreichen Gewichte zwischen 0,8 und 2,4 kg.
Geschichte & Entwicklung
Die ersten Kompendien entstanden in den 1920er Jahren als simple Lichtschutzhauben aus Pappe. 1958 entwickelte Chrosziel die erste verstellbare Matte Box mit standardisierten Filterführungen für die deutschen Bavaria Studios. ARRI präsentierte 1982 das modulare LMB-System, das erstmals werkzeuglose Anpassung an verschiedene Objektivdurchmesser ermöglichte. Seit 2010 dominieren Carbon-Konstruktionen den Markt, die bei 40% weniger Gewicht dieselbe Stabilität bieten.
Praxiseinsatz im Film
Roger Deakins verwendete für "Blade Runner 2049" durchgängig ARRI LMB-6 Kompendien mit speziellen Fog-Filtern für die dystopische Atmosphäre. Bei Tageslicht-Außenaufnahmen verhindert das Kompendium Lens Flares und Kontrastverluste, während die Filterführungen Graduated ND-Filter für Himmel-Abdunklung aufnehmen. Der Workflow erfordert permanente Zusammenarbeit zwischen 1st AC und Gaffer, da Filterwechsel während der Aufnahme möglich bleiben müssen.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber Objektivfiltern bietet das Kompendium größere Filterflächen ohne Vignettierung bei Weitwinkel-Objektiven unter 20mm Brennweite. Digitale Alternativen wie Software-Entflaring oder LED-Walls reduzieren zwar den Filterbedarf, ersetzen aber nicht die mechanische Lichtabschirmung. Clip-On Mattebox-Systeme wie Tilta Mirage konkurrieren bei kleineren Kameras, erreichen aber nicht die Stabilität von Rod-Support-Systemen bei Profi-Konfigurationen über 8 kg Gewicht.