Drehbuch mit Bleistiftlinien, die zeigen, welche Dialogzeile in welcher Einstellung gedreht wurde — Kontinuitätsschrift während des Drehs. Script Supervisor zeichnet live mit.
Der Script Supervisor sitzt neben der Kamera und zeichnet während jeder Aufnahme mit Bleistift ein — welche Dialogzeilen, welche Bewegungen, welche Blicke in dieser speziellen Einstellung landen. Das annotierte Drehbuch wird damit zur lebendigen Produktions-Chronologie. Jede Linie markiert den exakten Schnittbereich einer Take, jeder Vermerk dokumentiert, was im Kasten ist. Das ist nicht Pedanterie, das ist Überlebensnotwendigkeit im Schnitt.
Am Set funktioniert das so: Während du dein Setup fährst, hat der Script Supervisor dein Original-Drehbuch vor sich liegen — meist spiralgebunden, robust, abgegriffen. Sobald die Kamera läuft, zieht er mit dem Bleistift eine saubere Linie neben die Dialogzeile oder die Action, die gerade im Frame passiert. Wenn die Take bricht, stoppt die Linie. Nächste Take, neue Zeile. Am Ende des Drehtags hat jede Seite ein Netzwerk von Linien, Kreuzen, Nummern — ein Muster, das nur dieser eine Mensch wirklich lesen kann, aber genau das ist der Punkt. Der Editor braucht später genau diese Information: Welche Zeile sitzt in Take 3, Kamera A? Wo endet die Aktion in der Wide? Das erspart Stunden beim Sync.
Die Notationen gehen über reine Linien hinaus. Pfeile zeigen Kamera-Bewegungen an. «OOF» (out of frame) markiert, wenn Darsteller den Frame verlassen. Kurze Symbole für Fehler — durchgekreuztes A für Flubber, kleine Noten für Kontinuitätsprobleme (Darstellerin hielt Glas in rechter Hand, jetzt links). Der Schnittmeister wird dir dankbar sein, wenn er sieht, dass du auf Seite 7 dokumentiert hast, wo exakt die Transition zwischen den Kamerapositionen sitzt.
Die Qualität des annotierten Drehbuchs korreliert direkt mit der Schnitt-Effizienz. Ein sauberes Lined Script bedeutet keine wilden Durchsuchungen nach der richtigen Take, keine 20 Minuten Spulen durch Material, um die Stelle zu finden, wo der Dialog tatsächlich passiert. Es ist das Äquivalent zu beschrifteten Kabeln am Set — professionelle Basis-Hygiene. Ohne dieses Dokument wird der Schnitt zum Ratespiel.
Das Drehbuch mit Annotationen geht ins Archiv, wird Teil der Produktionsdokumentation. Manchmal braucht dein Editor Monate später — in Reshoots, in Neufassungen — genau diese Informationen. «Wo war die Kamera beim vierten Take der Dialogszene?» Antwort: Schau ins Lined Script.