Blauvioletter Farbstich im Bild — entsteht durch falsch gewählte Farbtemperatur oder Mischung von Kunstlicht und Tageslicht. Muss man korrigieren oder bewusst einsetzen.
Der blauviolette Farbstich, den wir auf Set als Lavendel bezeichnen, entsteht fast immer durch eine Farbtemperatur-Fehlentscheidung — oder durch die unkontrollierte Vermischung von verschiedenen Lichtquellen mit unterschiedlichen Kelvin-Werten. Typisches Szenario: Du filmst in einem Raum mit Tageslicht (5500–6500K) und schießt gleichzeitig mit Kunstlicht (2700–3200K Glühlampen oder LED) an. Die Kamera kann sich nicht entscheiden, welche Referenz sie als Weiß nehmen soll, und das Ergebnis ist ein stichiger, violetter Gesamteindruck — besonders in den Schatten. Das ist kein erwünschter Look, sondern ein technischer Fehler.
Am Set erkennst du Lavendel sofort im Monitor: Die Haut sieht unrealistisch kühl aus, Weiße wirken leicht bläulich. Die erste Gegenmaßnahme ist Weißabgleich — entweder mit Graukarte oder durch Kelvin-Vorgabe auf der Kamera. Gibst du 5500K vor, während im Raum aber gemischtes Licht herrscht, verstärkst du das Problem nur. Besser: alle Lichtquellen angleichen. Entweder mit CTO-Folien (Color Temperature Orange) über das Tageslicht oder mit Tungsten-Gels über die Kunstlichter. Oder — und das ist oft die elegantere Lösung — die künstlichen Quellen hochfahren und das Daylight auskorrrigieren.
Es gibt aber auch bewusste Einsätze. Manche DoPs setzen Lavendel gezielt zur Charakterisierung von Szenen ein — etwa um eine fahle, verstörende oder kühl-melancholische Atmosphäre zu schaffen. Das funktioniert, wenn es konsistent durchgehalten wird und nicht wie ein Fehler wirkt. Der Unterschied: kontrollierter Lavendel hat eine innere Logik, zufälliger wirkt amateurhaft.
Praktische Checkliste am Set: Weißabgleich vor jeder Setup-Veränderung checken. Mischlichtsituationen vermeiden oder bewusst regulieren. Bei externen Locations mit gemischtem Ambient: vorher mit Gels planen, nicht erst beim Drehen improvisieren. Im Schnitt lässt sich Lavendel noch korrigieren — mit Farbkorrektion und LUT-Anpassung — aber es kostet Detailinformationen und sieht oft weniger natürlich aus als eine saubere Aufnahme.