Frühes Projektionsverfahren mit beweglichen Bildern auf Glas- oder Metallplatten — Vorläufer des Films um 1900. Handkurbel-Projektor für Licht- und Bewegungseffekte.
Das Kinoplasticon war eines jener technischen Zwischenwesen, die um die Jahrhundertwende zwischen Laterna Magica und dem modernen Film existierten — eine Handkurbel-Maschine, die Glas- oder Metallplatten mit beweglichen Elementen projizierte. Man arbeitete nicht mit Film im klassischen Sinne, sondern mit manipulierten Flachbildern, die durch mechanische Verschiebung oder Überlagerung optische Bewegungseffekte erzeugten. Das System war robust, billig herzustellen und funktionierte überall dort, wo eine Lichtquelle und eine Wand verfügbar waren — ideal für Varieté-Theater, Jahrmärkte und wandernde Showmen.
Die praktische Handhabung war denkbar einfach: Der Projektionist drehte eine Kurbel und manipulierte gleichzeitig die Bildplatten im Strahlengang. Durch das Vor- und Zurückfahren von transparenten oder halbtransparenten Schichten entstanden Illusionen von Bewegung — Wellen, die brandeten, Räder, die sich drehten, Figuren, die zu tanzen schienen. Man konnte mehrere Optiken übereinander legen, verschiedene Farben durch Gläser filtern. Es war Low-Tech-Theater mit hohem Improvisationspotential. Kein Filmstreifen, keine Perforation, keine Synchron-Anforderungen — der Projektor war das Kontrollinstrument des Erzählers in Echtzeit.
Historisch markiert das Kinoplasticon den Moment, in dem die Wanderkino-Kultur noch nicht auf den standardisierten 35-mm-Film angewiesen war. Es konkurrierte direkt mit den frühen Lumière- und Edison-Systemen, verlor aber schnell an Boden, sobald die Filmtechnik robust und transportabel genug wurde. Aber der Gedanke dahinter — dass Bewegung durch optische Täuschung erzeugbar ist, dass der Projektor ein Instrument der Regie ist — wirkte nach. Wer sich mit Montage, optischen Effekten oder der Geschichte der Bilderzeugung beschäftigt, sollte wissen, dass das Kinoplasticon zeigt, wie alt dieser Reflex ist: nicht nur abzuspielen, sondern zu manipulieren, was man sieht.