Anamorphotische Vorsatzlinse von Isco Göttingen, die sphärische Objektive in Cinemascope-Optiken mit 2:1-Kompression umwandelt.
Technische Details
Die klassischen Iscorama-Modelle 36 und 54 arbeiten mit einer horizontalen Kompression von 2x bei minimalen Fokusdistanzen von 1,5m bzw. 0,9m. Das Iscorama 36 wiegt 2,1kg und besitzt einen Frontdurchmesser von 95mm, während das kompaktere Modell 54 bei 1,8kg auf 86mm kommt. Beide Systeme funktionieren als Vorsatzlinsen vor Standard-Fotoobjektiven zwischen 35mm und 85mm Brennweite. Die optische Konstruktion besteht aus prismatischen Elementen, die das einfallende Licht horizontal stauchen, ohne die vertikale Bildachse zu beeinflussen. Im Gegensatz zu anderen anamorphotischen Systemen benötigen Iscorama-Adapter nur eine Scharfstellung am Grundobjektiv (Single Focus).
Geschichte & Entwicklung
Isco Optic entwickelte 1961 unter der Leitung von Pierre Angénieux das erste Iscorama als kostengünstige Alternative zu den teuren anamorphotischen Objektiven von Panavision und Bausch & Lomb. Die Massenproduktion begann 1964 mit dem Modell 36, gefolgt 1967 vom kompakteren Modell 54. Bis 1982 produzierte Isco etwa 3.000 Einheiten beider Varianten. Nach dem Konkurs von Isco Optic 1982 erwarb die deutsche Schneider-Kreuznach die Rechte, stellte die Produktion jedoch 1985 ein. Heute gelten originale Iscorama-Adapter als begehrte Sammlerobjekte mit Preisen zwischen 8.000 und 25.000 Euro.
Praxiseinsatz im Film
Iscorama-Adapter fanden primär in europäischen Low-Budget-Produktionen der 1960er und 70er Jahre Verwendung, darunter Filme von Jean-Luc Godard ("Pierrot le fou", 1965) und Sergio Leone. Die charakteristischen horizontalen Lens Flares und die leichte Unschärfe an den Bildrändern prägten den Look vieler französischer Nouvelle Vague-Filme. Moderne Filmemacher wie J.J. Abrams nutzen vintage Iscorama-Systeme für nostalgische Ästhetik. Der Workflow erfordert eine 2x-Entzerrung in der Post-Production und spezielle Sucher für die Bildkontrolle am Set.
Vergleich & Alternativen
Iscorama unterscheidet sich von fest konstruierten anamorphotischen Objektiven wie Panavision Ultra Vista durch die Flexibilität, verschiedene Grundobjektive zu nutzen. Moderne Alternativen sind die SLR Magic Anamorphot-Serien (ab 1.200 Euro) oder die Atlas Orion-Objektive, die jedoch den spezifischen Vintage-Look der Iscorama nicht reproduzieren. Während Panavision-Systeme 1,3x-Kompression für 2,40:1-Format verwenden, arbeiten Iscorama-Systeme ausschließlich mit 2x-Kompression. Für Budgetproduktionen bieten moderne anamorphotische Vorsätze von Moment oder Sirui ähnliche Effekte zu einem Bruchteil der Kosten.