Abstand zwischen den zwei Kameraobjektiven bei 3D-Stereo-Aufnahmen — bestimmt die Tiefenwirkung und den Konvergenzpunkt. Zu groß erzeugt Kopfschmerzen, zu klein wirkt flach.
Der Abstand zwischen den beiden Objektiven einer Stereo-3D-Kamera bestimmt direkt, wie räumlich und natürlich die Tiefenwirkung auf der Leinwand wirkt. Beim Drehen mit zwei synchronisierten Kameras — oder mit spezialisierten Rigs wie der Pace oder James Cameron's Fusion — stellst du diesen Abstand millimetergenau ein. Er arbeitet im Grunde wie der Augenabstand beim Menschen, nur dass du ihn manipulieren kannst.
In der Praxis bedeutet das konkret: Ein interaxialer Abstand von etwa 65 mm entspricht dem durchschnittlichen menschlichen Augenabstand und erzeugt eine komfortable, natürliche Stereowirkung. Gehst du darunter — etwa 40–50 mm — wirkt die Tiefe flach und künstlich, besonders bei Nahaufnahmen. Das kann gewollt sein, etwa für enge Objektivwirkung oder für Szenen mit reduzierter räumlicher Spannung. Kehrst du das um und erhöhst den Abstand auf 100 mm oder mehr, verstärkst du die Tiefenexaggeration — das Bild bekommt eine geradezu übertriebene Räumlichkeit, was schnell zu Kopfschmerzen und visueller Anstrengung beim Zuschauer führt. Das Auge kann die extreme Konvergenz nicht bequem halten.
Der interaxiale Abstand arbeitet eng mit dem Konvergenzpunkt zusammen — der Stelle, an der sich die beiden Sichtlinien treffen. Je größer der Abstand, desto mehr muss die eine Kamera nach innen rotiert werden, um auf denselben Punkt zu fokussieren. Manche DPs justieren auch nur einen der beiden Abzüge nach, andere arbeiten mit digitaler Konvergenz im Schnitt. Das ist eine Geschmacksfrage und hängt von deinem Equipment ab.
Am Set ist das nicht irgendein technisches Detail — es ist deine kreative Kontrolle über Wahrnehmung. Bei Großplans reduziere ich oft bewusst, um näher am Auge des Schauspielers zu bleiben. Bei Landschaften fahre ich hoch, um die Ferne wirklich zu spüren. Du musst testen und kalibrieren, idealerweise mit Monitoren vor Ort, auf denen die Stereo-Ausgabe bereits sichtbar ist. Im Schnitt lässt sich vieles noch korrigieren, aber am Set zu blind zu drehen bedeutet unnötige Nacharbeit und Risiko.