Kalibrierungsmuster mit Farbfeldern, Gradienten und Gitternetz — wird vor Linsentest, Weißabgleich oder Color Grading gefilmt. Dokumentiert optische und farbliche Eigenschaften einer Kamera in dieser Lichtsituation.
Du filmst eine Testaufnahme vor Drehbeginn oder während eines Setups — ein strukturiertes Muster aus Farben, Grauabstufungen und geometrischen Linien, das die Kamera unter genau dieser Lichtkonstellation dokumentiert. Das ist dein Grid Chart, dein optisches Tagebuch für diese Stunde an diesem Ort. Im Gegensatz zu ungeplanten Referenzaufnahmen liefert dir das Chart reproduzierbare Messwerte: wie die Linse die Farben bricht, wo Vignettierung anfängt, ob der Sensor in den Schatten noch Detailinformation hält oder bereits zu Noise tendiert.
Die klassische Zusammensetzung zeigt Farbfelder (oft eine Variante des ColorChecker oder Pantone-Schemas), einen Graukeil von reinem Schwarz bis Weiß — typischerweise in 10 oder mehr Stufen — und ein feines Gitternetz zur Kontrolle von Linsenverzerrung und Fokusschärfe über das gesamte Bildfeld. Manche Charts integrieren auch Siemens-Sterne für Auflösungstests oder Zielmarken für schnelle Fokuskalibrierung. Du filmst das Chart mindestens in Normalexposition, oft auch mit 1–2 Blenden über und unter dem Hauptlicht, um die Headroom des Sensors auszureizen.
Die Praxis: Vor Color-Grading legst du dir diesen Footage auf die Timeline, stellst die Grauwerte exakt auf mittleres Grau ab — das LUT oder der Grading-Knoten muss die Graukette neutral halten, sonst verfälscht jede Farbkorrektur danach. Im Schnitt wird das Chart zum Vergleichsmaterial: Szenen, die unter identischen Lichtverhältnissen gedreht wurden, sollten ähnliche Farbtöne zum Chart haben, sonst stimmt dein Weißabgleich oder deine Beleuchtung nicht. Bei Multi-Kamera-Drehs — zwei unterschiedliche Kameras, eine Szene — ist der direkteste Weg zu Farb-Matching: beide Kameras filmen das gleiche Chart hintereinander, dann matchst du die LUTs danach.
Digitale Charts (gedruckt auf hochwertigem Papier, möglichst matte oder semi-gloss Oberfläche, um Spiegelungen zu minimieren) halten länger und sind transportfreundlich. Einige DoPs nutzen auch digitale Displays, allerdings mit dem Nachteil, dass die Displaykalibrierung selbst nicht garantiert ist. Der Chart sollte immer flach im Bildfeld liegen — keine Perspektive, keine Rotation — und ungefähr 1/3 des Framings einnehmen. Filmst du ihn zu klein, verlierst du Detailinformation in den feinen Linien; zu groß, und du kannst die Homogenität des Lichts nicht über das ganze Feld kontrollieren.