Der Oberbeleuchter leitet die Lichtabteilung und setzt das vom Bildgestalter entworfene Lichtkonzept technisch um.
Technische Details
Der Oberbeleuchter plant Stromverteilung über CEE-Steckverbindungen (16A/32A/63A), dimensioniert Generatoren von 30kW bis 800kW und berechnet Kabellaufwege bis 200 Meter Distanz zur Stromquelle. Er programmiert DMX512-Lichtpulte mit bis zu 2048 Kanälen und steuert LED-Panels mit Farbtemperaturen von 2800K bis 10000K. Moderne Gaffers arbeiten mit drahtlosen Steuerungssystemen wie CRMX oder LumenRadio für Echtzeitanpassungen während der Aufnahme.
Geschichte & Entwicklung
Die Position entstand um 1915 in Hollywood, als Filmproduktionen von Tageslicht auf Kunstlicht umstiegen. Thomas Edison beschäftigte bereits 1910 spezialisierte "Electrical Engineers" für seine Studios in New Jersey. Der erste namentlich bekannte Gaffer war George Folsey Sr. bei MGM ab 1919. Mit der Einführung von HMI-Scheinwerfern 1969 durch Osram erweiterte sich das Aufgabenspektrum um komplexe Farbtemperatur-Matching zwischen Kunst- und Tageslicht.
Praxiseinsatz im Film
Bei "Blade Runner 2049" (2017) koordinierte Oberbeleuchter Bill Bannerman 400 einzeln ansteuerbare LED-Segmente für die Hologramm-Szenen mit Ana de Armas. Für Außenaufnahmen bei "1917" (2019) synchronisierte das Lichtteam 2,8 Kilometer Schützengrabennachbau mit natürlichem Sonnenlichtstand über 12 Stunden kontinuierlicher Aufnahme. Der Oberbeleuchter erstellt täglich Lichtpläne (Lighting Plots), kalkuliert Stromverbrauch und brieft sein Team über Sicherheitsprotokoll bei Spannungen über 400 Volt.
Vergleich & Alternativen
Abgrenzung zum Best Boy Electric, der als Stellvertreter administrative Aufgaben übernimmt, und zum Dimmer Operator, der ausschließlich Lichtpulte bedient. In deutschen Fernsehproduktionen übernimmt oft der "Beleuchtermeister" vergleichbare Funktionen, arbeitet jedoch meist mit fest installierten Studiolichtanlagen statt mobiler Equipment-Packages. Bei Low-Budget-Produktionen verschmelzen die Rollen von Oberbeleuchter und Kameramann, was jedoch Qualitätseinbußen bei komplexeren Lichtsetups zur Folge hat.