Prozess, in dem wilde oder fremde Elemente ins Vertraute, Alltägliche überführt werden — Science-Fiction wird Gegenwart, das Fantastische wird Normalität. Narratives Werkzeug zur emotionalen Nähe.
Wenn die Zukunft alltäglich wird, hat die Erzählung gesiegt. Domestifizierung im Film bedeutet, das Ungewöhnliche so in die Narration einzuweben, dass es für die Figuren — und damit für uns — zur Selbstverständlichkeit wird. Ein Raumschiff-Cockpit funktioniert wie ein Büro. Ein Monster sitzt am Frühstückstisch. Die künstliche Intelligenz diskutiert Politik wie ein Nachbar. Der Zuschauer wird nicht durch «Erklär-Sequenzen» überfordert, sondern durch die Art und Weise, wie die Figuren damit umgehen — beiläufig, ohne Staun.
Am Set oder im Schnitt arbeitet man damit, dass man das Fantastische in Bildsprache und Alltags-Rituale einbettet. Mise-en-scène wird zum Verbündeten: Ein Alien sitzt im Morgenlicht wie ein Gast beim Frühstück. Der Post-Apokalypse-Bunker hat Wasserflecken an der Wand, getrocknete Essensreste auf einem Tisch. Nicht die Großartigkeit des Fremden, sondern seine unheroische Integration macht es glaubwürdig. Spielweise und Rhythmus tragen das — wenn Schauspieler nicht das Ungewöhnliche betonen, sondern ignorieren, wird der Zuschauer es auch tun. Das funktioniert stark bei Genres wie Science-Fiction oder Fantasy, aber auch im psychologischen Thriller (das Übernatürliche wird Realität der Familie) oder im Horror (das Monströse wird Nachbar).
Die Strategie ist emotional: Wer das Fremde domestiziert, schafft Nähe statt Fremdheit. Man investiert in die psychologische Wahrscheinlichkeit, nicht in die technische Korrektheit. Denk an Jim Jarmusch oder Denis Villeneuve — bei denen sitzt die Magie, das Unbekannte buchstäblich im selben Raum wie Kaffeekannen und müde Blicke. Das macht es beängstigend oder berührend, statt spektakulär zu wirken.
Gegenpol wäre Alienation oder Verfremdung — das bewusste Hervorkehren des Unvertrauten. Aber Domestifizierung ist das stärkere Werkzeug für langfristige emotionale Bindung. Sie funktioniert, weil sie Zuschauer nicht belehrt, sondern einlädt, die neue Normalität einfach anzunehmen.