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Zerstreuungskreis
Kamera · Begriffe

Zerstreuungskreis

Circle of Confusion
Murnau AI illustration
flow fusion para roll take

Der maximale Durchmesser eines Lichtpunkts, der noch als scharf wahrgenommen wird. Bestimmt die Schärfentiefe eines Objektivs.

Technische Details

Für Vollformat-Kameras (36×24 mm) liegt der Standard-CoC bei 0,030 mm, für Super-35-Sensoren bei 0,020 mm und für Micro Four Thirds bei 0,015 mm. Diese Werte ergeben sich aus der geometrischen Beziehung zwischen Sensorgröße und typischem Betrachtungsabstand von 25 cm bei 20×25 cm Prints. Der CoC-Wert beeinflusst direkt die Schärfentiefen-Berechnungen: Kleinere Werte ergeben geringere Tiefenschärfe bei identischen Kameraeinstellungen. Moderne Hyperfokaldistanz-Tabellen und DoF-Apps verwenden diese Grundwerte für präzise Schärfentiefe-Kalkulationen.

Geschichte & Entwicklung

Lord Rayleigh definierte 1879 erstmals wissenschaftlich den Zerstreuungskreis für fotografische Anwendungen. Die heute gebräuchlichen 0,030-mm-Standard für Kleinbild etablierte sich in den 1920er Jahren mit der Leica-Kamera. Kodak verwendete ab 1936 den 0,025-mm-Wert für ihre Belichtungstabellen. Mit dem Übergang zu digitalen Sensoren ab 2000 entstanden neue CoC-Standards für verschiedene Sensorgrößen, wobei die Pixel-Pitch-Entwicklung zu immer kleineren kritischen Zerstreuungskreisen führte.

Praxiseinsatz im Film

Cinematographen nutzen CoC-Berechnungen für präzise Follow-Focus-Operationen und Schärfentiefe-Planung. Bei "Blade Runner 2049" (2017) arbeitete DoP Roger Deakins mit CoC-Apps zur exakten Berechnung der Hyperfokaldistanz für weitläufige Landschaftsaufnahmen. Steadicam-Operatoren verwenden CoC-basierte DoF-Markierungen am Objektiv für schnelle Schärfeziehungen ohne Monitorkontrolle. Focus-Puller nutzen diese Werte zur Erstellung präziser Schärfenmarkierungen auf den Follow-Focus-Rädern, besonders bei langen Brennweiten und offenen Blenden.

Vergleich & Alternativen

Der Zerstreuungskreis unterscheidet sich von der Bokeh-Qualität, die das ästhetische Erscheinungsbild unscharfer Bereiche beschreibt. Während moderne Focus-Peaking-Systeme in Echtzeit Schärfebereiche visualisieren, bleiben CoC-Berechnungen für die Vorplanung unersetzlich. Waveform-Monitore und False-Color-Displays ergänzen, ersetzen aber nicht die mathematische Präzision des Zerstreuungskreis-Konzepts. Bei Anamorphic-Objektiven gelten aufgrund der unterschiedlichen Vergrößerungsfaktoren modifizierte CoC-Werte für horizontale und vertikale Bildachse.

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