Kameraeinstellung, die nur einen kleinen Gesichtsausschnitt zeigt — enger als Großaufnahme, meist nur Augen oder Mund.
Technische Details
Für Große Großaufnahmen kommen meist Teleobjektive ab 85mm (Vollformat-Äquivalent) zum Einsatz, häufiger jedoch 135mm bis 200mm. Die Aufnahmedistanz beträgt bei Gesichtsdetails zwischen 0,5 und 2 Metern. Kritisch ist die Schärfentiefe: Bei Blende f/2.8 und 135mm liegt der Schärfebereich bei nur 2-5cm, was präzises Fokussieren erfordert. Drei Varianten unterscheiden sich durch den Bildausschnitt: die Standard-BCU (Stirn bis Kinn), die Detail-BCU (einzelne Gesichtspartien) und die Insert-BCU für Objekte unter 10cm Größe.
Geschichte & Entwicklung
D.W. Griffith etablierte 1913 in "The Birth of a Nation" erste extreme Nahaufnahmen, stieß jedoch auf Widerstand der Kinobetreiber, die "halbe Schauspieler" fürchteten. Carl Theodor Dreyers "Die Passion der Jungfrau von Orléans" (1928) revolutionierte 1928 die BCU durch systematischen Einsatz für emotionale Intensität. Sergio Leone perfektionierte in den 1960ern die Technik mit Anamorphic-Objektiven und schuf ikonische Augen-Duelle. Digital Cinema ermöglichte seit 2000 durch 4K-Auflösung noch extremere Vergrößerungen ohne Qualitätsverlust.
Praxiseinsatz im Film
Klassische Anwendung findet die BCU in Spannungsmomenten: Liones Mundwinkel-Detail in "Spiel mir das Lied vom Tod" oder das Augen-Close-Up in Kubricks "2001". Workflow-technisch erfordert die BCU spezielle Vorbereitung: Make-up-Artists arbeiten mit 4K-tauglichen Techniken, Schauspieler erhalten Augentropfen gegen Trockenheit bei langen Takes. Die geringe Schärfentiefe begrenzt die Schauspielerführung erheblich – bereits 2cm Kopfbewegung führen zur Unschärfe.
Vergleich & Alternativen
Abgrenzung zur Standard-Großaufnahme (Close-Up): Diese zeigt das komplette Gesicht von Haaransatz bis Kinn, während die BCU nur Teilbereiche erfasst. Die amerikanische Nahaufnahme (Medium Close-Up) endet dagegen bei den Schultern. Moderne Alternativen umfassen Macro-Objektive für extreme Objektdetails oder Focus-Pulling-Systeme, die sanfte Übergänge zwischen verschiedenen Close-Up-Größen ermöglichen. In dokumentarischen Arbeiten ersetzt oft die Detail-Aufnahme mit Standard-Objektiven die aufwendige BCU-Technik.