Kunstseide: Weißes Diffusormaterial aus synthetischen Fasern. Macht hartes Licht weicher und reduziert Schatten bei Portraits.
Technische Details
Standard-Kunstseide für Filmsets besteht aus Polyester- oder Nylonfasern mit einer Materialstärke von 0,08-0,15mm. Die Gewebedichte variiert zwischen 120-200 Faden pro Quadratzoll, wobei dichtere Varianten stärkere Diffusion erzeugen. Gängige Größen sind 6x6, 8x8, 12x12 und 20x20 Fuß für Overhead-Setups. Das Material ist bis 80°C hitzebeständig und wiegt etwa 180-220g pro Quadratmeter. Spezialvarianten wie "China Silk" (besonders dünn) oder "Tough Silk" (verstärkt für Außendrehs) erweitern das Spektrum.
Geschichte & Entwicklung
Kunstseide etablierte sich in den 1940er Jahren in Hollywood als kostengünstige Alternative zu echter Seide, die bereits seit den 1920ern zur Lichtdiffusion verwendet wurde. Mole-Richardson führte 1952 die ersten standardisierten Kunstseide-Frames ein. In den 1970ern entwickelte Matthews Studio Equipment hitzebeständigere Varianten für leistungsstarke Tungsten-Scheinwerfer. Moderne LED-Beleuchtung ermöglichte seit 2010 dünnere Materialien, da die Wärmeentwicklung drastisch reduziert wurde.
Praxiseinsatz im Film
Kunstseide dient primär als Overhead-Diffusion für gleichmäßige Ausleuchtung großer Bereiche oder als Seitenlicht-Modifikator vor Scheinwerfern. In "Her" (2013) nutzte DoP Hoyte van Hoytema großflächige Kunstseide-Setups für die warme, diffuse Innenraumbeleuchtung. Bei Außendrehs schwächt sie hartes Sonnenlicht ab - Roger Deakins verwendete 20x20-Fuß-Frames mit Kunstseide für die Wüstenszenen in "Sicario" (2015). Das Material erzeugt weiche Schatten ohne Farbverschiebung und eignet sich besonders für Porträts und Dialogszenen.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber Diffusion-Filtern verliert Kunstseide weniger Licht und erzeugt natürlichere Schatten. Softboxes bieten punktuelle Kontrolle, während Kunstseide großflächige Diffusion ermöglicht. Moderne Alternativen wie Ripstop-Nylon oder spezielles Diffusion-Fabric übertreffen Kunstseide in Haltbarkeit und Windresistenz. Für extreme Witterung ersetzt Polyethylen-Diffusion das empfindlichere Material. LED-Panels mit integrierten Diffusoren reduzieren den Bedarf an separater Kunstseide, können jedoch deren organischen Look nicht vollständig replizieren.