Kinosaal-Anamorphot für Cinemascope-Filme — wird als günstige DIY-Lösung für Kamera-Anamorphoten zweckentfremdet.
Technische Details
Standard-Projektions-Anamorphote arbeiten mit einem Entzerrungsfaktor von 2:1 und werden als Vorsatzlinse vor Projektorobjektive mit Brennweiten zwischen 35mm und 160mm montiert. Die zylindrischen Glaselemente kompensieren die horizontale Stauchung, die bei der Aufnahme mit anamorphotischen Kameraobjektiven entsteht. Moderne Projektions-Anamorphote bestehen aus 4-6 Linsenelementen und erreichen eine Lichttransmission von 92-95%. Die mechanische Befestigung erfolgt über Standardgewinde von 95mm bis 127mm Durchmesser, abhängig vom verwendeten Projektortyp.
Geschichte & Entwicklung
Henri Chrétien entwickelte 1927 das erste anamorphotische System "Hypergonar" für die französische Marine zur Periskop-Verbesserung. 1952 erwarb 20th Century Fox die Rechte und führte das System als "Cinemascope" ein - der erste Film "The Robe" (1953) revolutionierte das Breitbildkino. Bausch & Lomb fertigte die ersten Serien-Projektions-Anamorphote, später übernahmen Zeiss, Panavision und ISCO die Produktion. Mit der Einführung digitaler Projektionssysteme ab 2005 wurden mechanische Anamorphote durch Software-Algorithmen ersetzt, die die Entzerrung elektronisch durchführen.
Praxiseinsatz im Film
Klassische Cinemascope-Produktionen wie "Ben Hur" (1959), "Lawrence of Arabia" (1962) oder "Apocalypse Now" (1979) erforderten in allen Kinos die Installation von Projektions-Anamorphoten. Der Vorführer musste vor jeder Vorstellung die korrekte Positionierung prüfen und die Schärfe nachjustieren. Bei modernen anamorphotischen Produktionen wie "Mad Max: Fury Road" (2015) oder "Dune" (2021) erfolgt die Entzerrung bereits bei der Digital Intermediate (DI) oder direkt im digitalen Projektor. 35mm-Filmkopien mit anamorphotischer Kompression werden heute nur noch für spezielle Vorführungen oder Archivzwecke hergestellt.
Vergleich & Alternativen
Projektions-Anamorphote unterscheiden sich grundlegend von sphärischen Weitwinkelobjektiven, da sie ausschließlich horizontal entzerren. Im Gegensatz zu Aufnahme-Anamorphoten sind sie für den festen Projektionsabstand optimiert und weisen keine variable Fokussierung auf. Moderne DCP-Projektoren (Digital Cinema Package) ersetzen mechanische Anamorphote durch Pixel-Mapping-Algorithmen, die verschiedene Aspect Ratios ohne Linsenwechsel darstellen. IMAX-Projektionen verwenden eigene sphärische Systeme und benötigen keine anamorphotische Entzerrung.