Ein Begriff aus der Kameraarbeit.
Überblick
"2x Anamorphic" bezeichnet keinen einzelnen Hersteller oder ein Gerät, sondern den Stauchungsfaktor (Squeeze Factor) einer anamorphotischen Kinoobjektiv-Optik. Ein 2x-Anamorphot staucht das Bild beim Aufnehmen horizontal um den Faktor 2 auf den Sensor bzw. das Filmnegativ. Erst beim "Desqueeze" – in der Postproduktion oder früher im Projektor – wird das Bild wieder auf die doppelte Breite gezogen und erscheint im breiten Kino-Seitenverhältnis.
Praktisch erfasst ein 2x-Anamorphot bei gegebener Brennweite das doppelte horizontale Bildfeld einer sphärischen Optik gleicher Brennweite. Der Faktor 2,0 gilt als der klassische, "originale" anamorphotische Standard und liefert die stärksten anamorphotischen Bildmerkmale.
Funktionsweise und Seitenverhältnis
Die zylindrischen Elemente im Objektiv komprimieren nur die horizontale Achse. Das gestauchte Bild wirkt im Sucher zunächst schmal und verzerrt; das endgültige Breitbild entsteht durch das Auseinanderziehen um den Faktor 2 (Desqueeze).
Das resultierende Seitenverhältnis hängt vom verwendeten Aufnahmeformat ab:
| Aufnahmeformat | Nach 2x-Desqueeze (ca.) |
|---|---|
| 4-perf 35mm (ca. 4:3 / 1,33:1 Belichtungsfeld) | ~2,66:1, beschnitten auf Scope |
| Open-Gate ~6:5-Sensor | ~2,39:1 (Scope) |
| 16:9-Sensor | ~3,55:1 (extrem breit) |
Moderne digitale Kinokameras können das 2x-Signal in der Regel kameraintern entzerren, damit das Monitorbild am Set bereits korrekt proportioniert dargestellt wird.
Historischer Hintergrund
Der 2x-Squeeze ist der historische Ausgangspunkt des anamorphotischen Kinos. CinemaScope (20th Century Fox, 1953) nutzte ein 2x-Verfahren auf 4-perf-35mm und ergab das Verhältnis 2,35:1; 1970 standardisierte die SMPTE das Scope-Verhältnis auf 2,39:1, indem das Bildfenster leicht verkleinert wurde – so ließen sich die Splice-Stellen der Negativ-Montage (Rollenklebestellen) besser kaschieren, die sonst als kurzer "Flash" am oberen Bildrand sichtbar werden konnten. Panavisions "Auto Panatar"-Optiken setzten den 2x-Anamorphoten anschließend als Industriestandard durch.
Einsatz am Set und Bildcharakter
Gegenüber schwächeren Stauchungen (1,33x, 1,5x, 1,8x) liefert der 2x-Faktor die ausgeprägtesten anamorphotischen Merkmale: ovales Bokeh, betonte horizontale Lens-Flares und der charakteristische "Cinemascope-Look". Typische 2x-Anamorphoten stammen u. a. von Cooke, Panavision (G-, C-, E-Series), Hawk, Kowa, Arri/Zeiss (Master Anamorphic) und Atlas (Orion).
- Wegen der starken Stauchung eignet sich 2x besonders für Open-Gate- bzw. 4:3-Aufnahmeformate; auf reinen 16:9-Sensoren wird das Bild sehr breit und schmal.
- Schärfentiefe, Atmen und Mumps-Effekt fallen bei 2x deutlicher aus als bei geringeren Squeeze-Faktoren.