Standard-Kinoformat für nordamerikanische Produktionen mit 1.85:1 Seitenverhältnis, erzeugt durch Top/Bottom-Maske auf 4-Perf 35mm. Moderate Breitbild-Ästhetik, ideal für Dialog-intensive Dramen und Charakterstudien.
Berühmte Beispiele · 1.85:1 (Flat)
The Graduate
Nichols und Surtees nutzten das 1.85:1-Format meisterhaft, um Benjamin Braddock in weiten, leeren Bildfeldern zu isolieren – die moderate Breite betont Einsamkeit ohne die Dramatik des Scope-Formats zu übertreiben.
Annie Hall
Gordon Willis' Kameraarbeit in 1.85:1 schafft präzise kadrierte Zwei-Personen-Szenen, in denen das Format den Figuren genug Raum gibt, ohne sie zu verlieren – ein Paradebeispiel für dialogintensives Flat-Kino.
Fargo
Roger Deakins nutzte 1.85:1, um die endlosen Schneelandschaften Minnesotas zu erfassen – das Format bietet genug horizontale Ausdehnung für die Landschaft, behält aber die Intimität für die Charakterstudien.
Lady Bird
Sam Levys Arbeit in 1.85:1 unterstreicht die intime, charakterzentrierte Erzählung – das nordamerikanische Standardformat verleiht dem Film eine klassische Kinoqualität, die perfekt zur emotionalen Unmittelbarkeit der Geschichte passt.
Filmstills bezogen über die TMDB API. Dieses Produkt nutzt die TMDB API, ist aber nicht von TMDB unterstützt oder zertifiziert. themoviedb.org ›
Technische Spezifikationen
Das 1.85:1 Seitenverhältnis entsteht durch horizontale Projektion von 4-Perf 35mm Film mit Top/Bottom-Maske. Das projizierte Bild nutzt die volle Breite des 35mm-Frames (22mm), maskiert aber vertikal auf ca. 12mm Höhe.
Technische Parameter:
- Negativnutzung: Ca. 48% des 4-Perf-Frames
- Projizierte Auflösung: 22mm x 12mm auf 35mm
- Pixel-Äquivalent (4K DI): 3996 x 2160 Pixel (1.85:1)
- Winkel: Breitbild, aber weniger extrem als Scope
Digital wird 1.85:1 durch Sensor-Cropping oder Post-Crop erzeugt. ARRI Alexa bietet nativen 1.85:1 Sensor-Modus, RED-Kameras erfordern Post-Crop. Die meisten Netflix- und Amazon-Produktionen werden in 1.85:1 oder 2.00:1 gedreht.
Geschichte & Entwicklung
1.85:1 wurde 1953 von Paramount Pictures eingeführt als Antwort auf das wachsende TV-Publikum – Kino brauchte breitere Bilder, um sich vom 4:3-Fernsehen abzuheben. Anders als CinemaScope erforderte 1.85:1 keine speziellen Objektive oder Projektoren.
Die Einführung war pragmatisch: Kinos projizierten 35mm mit oberer und unterer Maske. Das "Flat"-Format (so genannt im Gegensatz zu "Scope") wurde schnell zum US-Industriestandard für Drama, Komödie und Action-Filme.
In den 1980ern-90ern festigte sich 1.85:1 als das Format für "seriöse" Hollywood-Dramen, während Scope für Spektakel reserviert blieb. Heute bleibt 1.85:1 das dominierende Format für Dialog-intensive Produktionen.
Praxiseinsatz im Film
Steven Spielbergs "Schindler's List" (1993) nutzt 1.85:1 bewusst – das Format erlaubt intime Gesichts-Close-ups mit genug Umgebung für historischen Kontext. DP Janusz Kamiński wählte 1.85:1 für emotionale Nähe statt epischer Distanz.
Martin Scorseses "The Departed" (2006) zeigt die Stärke von 1.85:1 für Ensemble-Dramen – Dialoge in engen Räumen profitieren von der vertikalen Großzügigkeit. Over-Shoulder-Shots haben natürlichen Atemraum.
Christopher Nolans "Interstellar" (2014) wechselt zwischen 1.43:1 IMAX und 2.35:1 Scope, nutzt aber 1.85:1 für intimere Erdszenen – das Format markiert emotionale Erdverbundenheit.
Varianten & Verwandte Formate
1.78:1 (16:9): HDTV-Standard, minimal schmaler als 1.85:1. Streaming-Produktionen drehen oft in 1.78:1 für verlustfreie TV-Wiedergabe.
1.90:1 (IMAX Digital): Leicht breiter als 1.85:1, verwendet für IMAX-Laser-Vorführungen.
2.00:1 (Univisium): Vittorio Storaros Kompromissformat zwischen 1.85:1 und 2.39:1, populär bei Netflix-Originals.
Der Hauptvorteil von 1.85:1 bleibt seine Vielseitigkeit – breit genug für Kino-Ästhetik, vertikal großzügig für Gesichter, und optimal für 16:9-Heimkino-Wiedergabe.