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1.85:1 (Flat)
Kamera · Technik

1.85:1 (Flat)

1.85:1
Murnau AI illustration
2351 2391 4 perf academy ratio cinemascope spherical lens

Standard-Kinoformat für nordamerikanische Produktionen mit 1.85:1 Seitenverhältnis, erzeugt durch Top/Bottom-Maske auf 4-Perf 35mm. Moderate Breitbild-Ästhetik, ideal für Dialog-intensive Dramen und Charakterstudien.

In Filmgeschichte

Berühmte Beispiele · 1.85:1 (Flat)

Beispiele aus unterschiedlichen Epochen, die den Begriff von gestalterischer Setzung bis subversiver Verweigerung zeigen.
01 / FLACHES FORMAT, TIEFE ISOLATION

The Graduate

Mike Nichols · 1967 · Robert Surtees

Nichols und Surtees nutzten das 1.85:1-Format meisterhaft, um Benjamin Braddock in weiten, leeren Bildfeldern zu isolieren – die moderate Breite betont Einsamkeit ohne die Dramatik des Scope-Formats zu übertreiben.

The Graduate · sample frame
02 / DIALOG IM FLACHEN BREITBILD

Annie Hall

Woody Allen · 1977 · Gordon Willis

Gordon Willis' Kameraarbeit in 1.85:1 schafft präzise kadrierte Zwei-Personen-Szenen, in denen das Format den Figuren genug Raum gibt, ohne sie zu verlieren – ein Paradebeispiel für dialogintensives Flat-Kino.

Annie Hall · sample frame
03 / WEISSE WEITE IM FLAT-FORMAT

Fargo

Joel Coen · 1996 · Roger Deakins

Roger Deakins nutzte 1.85:1, um die endlosen Schneelandschaften Minnesotas zu erfassen – das Format bietet genug horizontale Ausdehnung für die Landschaft, behält aber die Intimität für die Charakterstudien.

Fargo · sample frame
04 / COMING-OF-AGE IM KLASSISCHEN FLAT

Lady Bird

Greta Gerwig · 2017 · Sam Levy

Sam Levys Arbeit in 1.85:1 unterstreicht die intime, charakterzentrierte Erzählung – das nordamerikanische Standardformat verleiht dem Film eine klassische Kinoqualität, die perfekt zur emotionalen Unmittelbarkeit der Geschichte passt.

Lady Bird · sample frame

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Technische Spezifikationen

Das 1.85:1 Seitenverhältnis entsteht durch horizontale Projektion von 4-Perf 35mm Film mit Top/Bottom-Maske. Das projizierte Bild nutzt die volle Breite des 35mm-Frames (22mm), maskiert aber vertikal auf ca. 12mm Höhe.

Technische Parameter:

  • Negativnutzung: Ca. 48% des 4-Perf-Frames
  • Projizierte Auflösung: 22mm x 12mm auf 35mm
  • Pixel-Äquivalent (4K DI): 3996 x 2160 Pixel (1.85:1)
  • Winkel: Breitbild, aber weniger extrem als Scope

Digital wird 1.85:1 durch Sensor-Cropping oder Post-Crop erzeugt. ARRI Alexa bietet nativen 1.85:1 Sensor-Modus, RED-Kameras erfordern Post-Crop. Die meisten Netflix- und Amazon-Produktionen werden in 1.85:1 oder 2.00:1 gedreht.

Geschichte & Entwicklung

1.85:1 wurde 1953 von Paramount Pictures eingeführt als Antwort auf das wachsende TV-Publikum – Kino brauchte breitere Bilder, um sich vom 4:3-Fernsehen abzuheben. Anders als CinemaScope erforderte 1.85:1 keine speziellen Objektive oder Projektoren.

Die Einführung war pragmatisch: Kinos projizierten 35mm mit oberer und unterer Maske. Das "Flat"-Format (so genannt im Gegensatz zu "Scope") wurde schnell zum US-Industriestandard für Drama, Komödie und Action-Filme.

In den 1980ern-90ern festigte sich 1.85:1 als das Format für "seriöse" Hollywood-Dramen, während Scope für Spektakel reserviert blieb. Heute bleibt 1.85:1 das dominierende Format für Dialog-intensive Produktionen.

Praxiseinsatz im Film

Steven Spielbergs "Schindler's List" (1993) nutzt 1.85:1 bewusst – das Format erlaubt intime Gesichts-Close-ups mit genug Umgebung für historischen Kontext. DP Janusz Kamiński wählte 1.85:1 für emotionale Nähe statt epischer Distanz.

Martin Scorseses "The Departed" (2006) zeigt die Stärke von 1.85:1 für Ensemble-Dramen – Dialoge in engen Räumen profitieren von der vertikalen Großzügigkeit. Over-Shoulder-Shots haben natürlichen Atemraum.

Christopher Nolans "Interstellar" (2014) wechselt zwischen 1.43:1 IMAX und 2.35:1 Scope, nutzt aber 1.85:1 für intimere Erdszenen – das Format markiert emotionale Erdverbundenheit.

Varianten & Verwandte Formate

1.78:1 (16:9): HDTV-Standard, minimal schmaler als 1.85:1. Streaming-Produktionen drehen oft in 1.78:1 für verlustfreie TV-Wiedergabe.

1.90:1 (IMAX Digital): Leicht breiter als 1.85:1, verwendet für IMAX-Laser-Vorführungen.

2.00:1 (Univisium): Vittorio Storaros Kompromissformat zwischen 1.85:1 und 2.39:1, populär bei Netflix-Originals.

Der Hauptvorteil von 1.85:1 bleibt seine Vielseitigkeit – breit genug für Kino-Ästhetik, vertikal großzügig für Gesichter, und optimal für 16:9-Heimkino-Wiedergabe.

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