Standard-Kinoformat für nordamerikanische Produktionen mit 1.85:1 Seitenverhältnis, erzeugt durch Top/Bottom-Maske auf 4-Perf 35mm. Moderate Breitbild-Ästhetik, ideal für Dialog-intensive Dramen und Charakterstudien.
Technische Spezifikationen
Das 1.85:1 Seitenverhältnis entsteht durch horizontale Projektion von 4-Perf 35mm Film mit Top/Bottom-Maske. Das projizierte Bild nutzt die volle Breite des 35mm-Frames (22mm), maskiert aber vertikal auf ca. 12mm Höhe.
Technische Parameter:
- Negativnutzung: Ca. 48% des 4-Perf-Frames
- Projizierte Auflösung: 22mm x 12mm auf 35mm
- Pixel-Äquivalent (4K DI): 3996 x 2160 Pixel (1.85:1)
- Winkel: Breitbild, aber weniger extrem als Scope
Digital wird 1.85:1 durch Sensor-Cropping oder Post-Crop erzeugt. ARRI Alexa bietet nativen 1.85:1 Sensor-Modus, RED-Kameras erfordern Post-Crop. Die meisten Netflix- und Amazon-Produktionen werden in 1.85:1 oder 2.00:1 gedreht.
Geschichte & Entwicklung
1.85:1 wurde 1953 von Paramount Pictures eingeführt als Antwort auf das wachsende TV-Publikum – Kino brauchte breitere Bilder, um sich vom 4:3-Fernsehen abzuheben. Anders als CinemaScope erforderte 1.85:1 keine speziellen Objektive oder Projektoren.
Die Einführung war pragmatisch: Kinos projizierten 35mm mit oberer und unterer Maske. Das "Flat"-Format (so genannt im Gegensatz zu "Scope") wurde schnell zum US-Industriestandard für Drama, Komödie und Action-Filme.
In den 1980ern-90ern festigte sich 1.85:1 als das Format für "seriöse" Hollywood-Dramen, während Scope für Spektakel reserviert blieb. Heute bleibt 1.85:1 das dominierende Format für Dialog-intensive Produktionen.
Praxiseinsatz im Film
Steven Spielbergs "Schindler's List" (1993) nutzt 1.85:1 bewusst – das Format erlaubt intime Gesichts-Close-ups mit genug Umgebung für historischen Kontext. DP Janusz Kamiński wählte 1.85:1 für emotionale Nähe statt epischer Distanz.
Martin Scorseses "The Departed" (2006) zeigt die Stärke von 1.85:1 für Ensemble-Dramen – Dialoge in engen Räumen profitieren von der vertikalen Großzügigkeit. Over-Shoulder-Shots haben natürlichen Atemraum.
Christopher Nolans "Interstellar" (2014) wechselt zwischen 1.43:1 IMAX und 2.35:1 Scope, nutzt aber 1.85:1 für intimere Erdszenen – das Format markiert emotionale Erdverbundenheit.
Varianten & Verwandte Formate
1.78:1 (16:9): HDTV-Standard, minimal schmaler als 1.85:1. Streaming-Produktionen drehen oft in 1.78:1 für verlustfreie TV-Wiedergabe.
1.90:1 (IMAX Digital): Leicht breiter als 1.85:1, verwendet für IMAX-Laser-Vorführungen.
2.00:1 (Univisium): Vittorio Storaros Kompromissformat zwischen 1.85:1 und 2.39:1, populär bei Netflix-Originals.
Der Hauptvorteil von 1.85:1 bleibt seine Vielseitigkeit – breit genug für Kino-Ästhetik, vertikal großzügig für Gesichter, und optimal für 16:9-Heimkino-Wiedergabe.