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Bolex Anamorphot
Kamera · Objektive

Bolex Anamorphot

Murnau AI illustration
2x anamorphic anamorphic adapter anamorphic bokeh anamorphic breathing anamorphic clamp

Bolex Anamorphot 8/19/1.5x — Schweizer Anamorphot-Vorsatz aus den 1960ern für 2.66:1-Cinemascope-Format.

Technische Details

Das Bolex-Anamorphot-System besteht aus zylindrischen Vorsatzlinsen mit 2:1-Kompression, die vor Standard-Objektive montiert werden. Die Brennweiten reichen von 12,5mm bis 75mm bei Blendenwerten zwischen f/2,8 und f/16. Das Gewicht variiert zwischen 450g (12,5mm) und 850g (75mm). Die Linsen arbeiten mit einem Naheinstellbereich ab 1,5 Metern und erfordern eine präzise Ausrichtung der zylindrischen Elemente. Das System verwendet einen speziellen Bajonettanschluss und ist kompatibel mit Bolex H16-Kameras sowie später mit Arriflex 16SR-Modellen über entsprechende Adapter.

Geschichte & Entwicklung

1961 führte Bolex als erster Hersteller anamorphotische Optiken für 16mm-Kameras ein, nachdem CinemaScope seit 1953 im 35mm-Bereich etabliert war. Die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Optik-Spezialisten Kern Paillard. 1967 erweiterte Bolex die Serie um längere Brennweiten bis 150mm. In den 1970er Jahren adaptierten Dokumentarfilmer das System für günstige Breitwandproduktionen. Mit dem Aufkommen digitaler Workflows verlor das System ab den 1990er Jahren an Bedeutung, da anamorphotische Effekte digital simuliert werden konnten.

Praxiseinsatz im Film

Bolex Anamorphot fand hauptsächlich in europäischen Low-Budget-Produktionen und Experimentalfilmen Anwendung. Jean-Luc Godard verwendete das System für Testaufnahmen zu "Pierrot le fou" (1965). Dokumentarfilmer wie Frédéric Rossif setzten es für Breitwandaufnahmen in "Mourir à Madrid" (1963) ein. Der Workflow erfordert Projektion durch entsprechende anamorphotische Vorsätze oder optische Entzerrung im Labor. Nachteile umfassen reduzierte Lichtstärke um eine Blendenstufe, erhöhtes Kameragewicht und komplexere Schärfeverfolgung bei Schwenks.

Vergleich & Alternativen

Anders als die zeitgleichen Panavision-Systeme für 35mm arbeitet Bolex Anamorphot ausschließlich mit Vorsatzlinsen statt integrierten anamorphotischen Objektiven. Moderne Alternativen wie Hawk V-Lite oder SLR Magic Anamorphot-Serie bieten bessere optische Qualität und Lichtstärke. Cooke Anamorphic/i-Serie dominiert heute den professionellen Bereich. Digital simulierte anamorphotische Effekte (Digital Intermediate) ersetzen zunehmend optische Lösungen, können jedoch nicht die charakteristischen Lens Flares und das Bokeh echter anamorphotischer Optiken reproduzieren.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Als DoP schätze ich die charakteristischen horizontalen Lens Flares und das ovale Bokeh des Bolex Anamorphot, die dem Bild einen unverwechselbaren Look verleihen. Die reduzierte Schärfentiefe durch die 2:1-Kompression erfordert präzisere Fokussierung, besonders bei Nahaufnahmen unter 3 Metern. Das zusätzliche Gewicht von bis zu 850g destabilisiert die Kamera bei Handheld-Aufnahmen erheblich.

Regisseur

Der Bolex Anamorphot verleiht meinen Bildern eine nostalgische, fast traumhafte Qualität durch die weichen Übergänge und charakteristischen Verzerrungen an den Bildrändern. Das 2,35:1-Format verstärkt die horizontale Bewegung und eignet sich perfekt für Landschaftsaufnahmen oder emotionale Zweierszenen. Die optischen Eigenarten des Systems unterstützen experimentelle Erzählformen und verleihen Low-Budget-Produktionen einen kinematografischen Charakter.

Produzent

Der Bolex Anamorphot kostet als gebrauchtes Set etwa 8.000-15.000 Euro, deutlich günstiger als moderne Anamorphot-Serien ab 80.000 Euro. Die längeren Einrichtungszeiten durch das Vorsatzsystem erhöhen jedoch die Drehtage um 10-15 Prozent. Das Postproduction-Budget steigt durch notwendige optische Entzerrung und spezielle Projektionsanforderungen um etwa 20 Prozent gegenüber Standard-16mm-Workflows.

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